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Betrügerisches Paar aus Cannes: Haftstrafe für falsche Anschlagsopfer

WISSENSWERTES

 

Das Leid anderer zum eigenen Vorteil nutzen – genau das hat sich ein Paar aus Cannes gedacht. Sie gaben sich als Opfer des Anschlags vom 13. November 2015 in Paris aus und kassierten aus dem Hilfsfonds für Opfer 60.000 Euro Entschädigungszahlungen. Erst durch den zweiten schamlosen Betrugsversuch, auch Geschädigte des Nizza-Attentats zu sein, konnte das Paar überführt werden. Nach einer ersten Verurteilung im Dezember stand das Paar gestern erneut vor Gericht in Grasse.

Dem betrügerischen Paar blüht eine Haftstrafe von sechs und vier Jahren.Seit Mitte der achtziger Jahre wurde in Frankreich ein umfassendes Entschädigungssystem für Terroropfer eingeführt. Von diesem Fonds wollte auch ein Paar aus Cannes nach den Terroranschlägen  am 13. November 2015 in Paris profitieren und behauptete, betroffen gewesen zu sein. Als Entschädigung erhielten sie eine Summe von 60.000 Euro.

Auch im darauf folgenden Jahr forderten sie erneute Entschädigungszahlungen für den Anschlag in Nizza, da sie auch hier angeblich zu Opfern des Terrorismus wurden. Angesichts dieses beunruhigenden Zufalls wurden Ermittlungen zur Überprüfung der Glaubwürdigkeit des Paares aufgenommen. Durch die Auswertung der Handydaten stellte sich der Verdacht als richtig heraus: Das Paar war zu Zeit der Paris-Anschläge an der Côte d’Azur und nicht in Paris!  Erst durch den zweiten Betrugsversuch konnte die unglaubliche Intrige auffliegen und das Paar überführt werden.

Im Dezember kam es zur Gerichtverhandlung: Der 36-jährige Vater von zwei Kindern wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, seine 29-jährige Ehefrau zu drei Jahren Haft. Außerdem müssen sie eine Rückzahlung des Entschädigungsbetrags leisten. Das Geld hatten sie nach eigenen Angaben in neue Autos investiert. Gegen diesen Gerichtsbeschluss hat die Verteidigung der Verurteilten Berufung eingelegt.

Somit wurde gestern Nachmittag vor dem Gericht in Grasse das Verfahren wieder aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft forderte diesmal fünf und sechs Jahre Haft und ließ sich auch durch die vermeintliche Reue und Tränen nicht milde stimmen. Das Urteil ergab sechs Jahre Haft für den Mann und vier Jahre Haft für seine Frau. Außerdem ist dem Paar der Aufenthalt im Département Alpes-Maritimes nach Ende der Strafe für die folgenden fünf Jahre verboten. Falls es zu einer weiteren Wiederholung einer solchen dreisten Tat kommt, droht ihnen eine Haftstrafe von bis zu 12 Jahren. 

 

Larissa Bleckmann