Haupt-Reiter

Brigitte Bardot veröffentlicht neue Biografie

MENSCHEN

Brigitte Bardot (B.B.) möchte nicht auf dem Friedhof von Saint-Tropez, sondern in ihrem Garten am Meer beerdigt werden. Und ihr Haus "La Madrague" soll Museum werden. Das geht aus der am heutigen Donnerstag im Verlag Plon erscheinenden testamentarischen Biografie ("Larmes de combat") der weltberühmten Schauspielerin hervor.

"Ich habe mir schon ein Eckchen am Ufer ausgesucht, gegen das auch die Kommunalverwaltung nichts einzuwenden hat", schildert die 83-jährige Tropézienne. "Auf den gemeindlichen Friedhof am Meer, wo meine Eltern und Großeltern ruhen, will ich nicht, weil man dort ständig mit der Zerstörungswut von Vandalen rechnen muss.

Hinzu kommt, dass die in Paris gebürtige alte Dame ihre Wahlheimat längst nicht mehr ausstehen kann. "Ich gehe nie mehr in den Ort. Nicht nur, weil ich kein Aufsehen erregen oder mich in Gefahr bringen will - auch weil das liebenswerte Fischerdörfchen, das ich kannte, schon lange nicht mehr existiert.“ Heute sei Saint-Tropez nur noch "eine Luxusvitrine ohne Seele".

Der Eintritt in das künftige Brigitte-Bardot-Museum, das aus ihrem Häuschen gemacht werden soll, sollte übrigens keineswegs frei sein. Vielmehr soll ein Tarif von zwei oder drei Euro, den sie angemessen findet, ihrer Tierschutz-Stiftung zufließen.

Wohl der Tiere statt Schwindel des Rampenlichts

In "Larmes de combat" ("Tränen des Kampfes") beschreibt die Ikone des französischen Kinos ihren Kampf zum Wohle Tiere, der sie vor dem "Schwindel des Rampenlichts gerettet" habe. Erneut verlangt sie "eine gemeinsame Zukunft" aller Lebewesen. "Dieser testamentarische Text soll der Nachwelt meine Überzeugung, meine Verzweiflung und meine Hoffnung überliefern," erläuterte sie. „Danach werde ich keine Bücher mehr schreiben.“ "Larmes" sei insofern "mein Vermächtnis".

In dem fast 250-seitigen Buch erzählt die Diva ihre ganze Lebensgeschichte. Sie schildert ihre Kindheit, ihre Jahre als Filmstar bis zum "brutalen Bruch mit dem Kino" 1973, ihre Liebesbeziehungen von Serge Gainsbourg bis zu ihrem heutigen Ehemann Bernard d’Ormale und ihre Probleme mit der eigenen Berühmtheit. Vor allem aber blickt "das Tier, das ich bin" und der "lebende Mythos", als den sie sich selbst ansieht, auf "die Bedeutung ihres Kampfes für die Tierwelt zurück. "Ich bin nicht Teil der menschlichen Rasse, ich möchte nicht dazu gehören, ich fühle mich anders, fast abnormal", bekennt sie wörtlich.

Die betagte Actrice, die 1956 im Alter von 22 Jahren mit dem Film "Und Gott erschuf das Weib" ihren Durchbruch schaffte, sagt heute, dass sie immer sensibel für die Sache der Tiere gewesen sei. "Schon als Kind dachte und fühlte ich wie ein Tier." Ihr erster Ehemann Roger Vadim habe ihr die Augen für die Zustände in den Schlachthöfen geöffnet. 1973 habe er sein Leben radikal verändert und sich ganz seinem "Pionierkampf" gewidmet. Dabei habe er in Kauf genommen, "oft missverstanden" zu werden. "Mein erster Lebensabschnitt war wie der Entwurf meiner Existenz.“ Der zweite gab "mir die Antworten auf die Fragen, die ich mir bis dahin gestellt hatte". 

Der ewige Kampf der Actrice

Anekdotenreich berichtet die Tierschützerin von ihren Kampf um Robbenwelpen, gegen Stierkampf, Jagd und Zoo, Industriezucht, Pelzwirtschaft und Pferdefleischvermarktung, deren Abschaffung sie hoffentlich noch erleben werde. Sie geißelt Nicolas Sarkozy und Nicolas Hulot, zwei "große politische Enttäuschungen", auch was "das Abschlachten von Wölfen" betrifft. 

B.B. äußert sich überdies auch "zu der Polemik", die sie ausgelöst habe, "als ich meine Schwangerschaft und meinen Sohn Nicolas ablehnte und zu Immigrationsfragen Stellung nahm.“ Die Beziehung zu ihrem Sohn habe sich unterdessen „normalisiert".

Im Zusammenhang mit ihren fünf Verurteilungen wegen Anstiftung zum Rassenhass versicherte sie, sie habe "nie jemanden gebeten, rassistisch zu sein". Nie habe sie  "Rassenhass genährt". Sie verwahre sich lediglich gegen die rituellen Schlachtungen der Juden und Muslime.

Am Ende gesteht sie, vor dem Sterben Angst zu haben. Zuflucht finde sie nur in ihrer "persönlichen Beziehung zur Gottesmutter". Sie hoffe, der Welt in Erinnerung zu bleiben als eine Frau, die "das Tabu tierische Menschlichkeit/menschliche Tierhaftigkeit" aufgehoben habe. Und sie sei sicher: "Meine Reise auf der Erde wird nicht umsonst gewesen sein, und meine Seele wird endlich Frieden finden".

Rolf Liffers