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Die Welt nimmt Abschied vom großen Michel Legrand

KULTUR

Michel Legrand hat einige der bekanntesten Soundtracks der Filmgeschichte komponiert. Der dreifache Oscar-Preisträger arbeitete mit renommierten Regisseuren in Frankreich und Hollywood ebenso wie mit den Großen aus Jazz und Chanson zusammen. In der Nacht zum Samstag ist der Künstler im Alter von 86 Jahren in Paris gestorben.

Frankreichs Kulturminister Franck Riester würdigte Legrand am Samstag als einen "genialen Komponisten". Die Sängerin Mireille Mathieu erinnerte sich an ihre Zusammenarbeit mit dem Musiker, der für sie mehrere Lieder geschrieben hatte. Legrands musikalische Ideen "verzaubern die ganze Welt", sagte die 72-Jährige. "Für mich ist er wegen seiner Musik und seiner Persönlichkeit unsterblich", äußerte der Komponist Vladimir Cosma zum Tod seines Kollegen. Auch der Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, zeigte sich von der Nachricht tief bewegt. Legrand sei ein "génie de la mélodie", hieß es in seiner Kondolenzadresse.

In seiner mehr als 50-jährigen Karriere hatte Legrand Weltruhm errungen. Bekannt wurde er unter anderem durch die Filmmusik zu "Die Regenschirme von Cherbourg" und "Yentl".

Legrand arbeitete mit Musikstars wie Ray Charles, Frank Sinatra und Edith Piaf sowie zahlreichen Filmgrößen. Darunter Jean-Luc Godard, Orson Welles und Robert Altmann. Lisnard erinnerte auch an die Kooperation des Verstorbenen mit Jacques Demy, Henri Salvador, Maurice Chevalier, Jacques Brel, Sidney Pollack, Clint Eastwood und Steve McQueen.

Seinen ersten Oscar gewann Legrand 1969 mit dem Lied "The Windmills of Your Mind", das er für den McQueen-Film "Thomas Crown ist nicht zu fassen" komponierte. Es folgten zwei weitere Oscars für die Musik zu den Filmen "Sommer '42" (1972) und "Yentl" mit Barbara Streisand (1984). Legrand wurde zudem 17-mal für einen Grammy nominiert. Fünfmal nahm er den US-Musikpreis mit nach Hause. In New York habe er "Monumente des Jazz" Bill Evans, Duke Ellington, Sarah Vaughan und Miles Davis "dirigiert", sagte Lisnard. In Los Angeles habe er "für ganz Hollywood" komponiert.

Cannes werde den Mann nie vergessen, dessen Filmfestival der Komponist, Arrangeur, Pianist, Sänger und Dirigent stets die Treue hielt. Bei der 17. Ausgabe habe er dort sein erstes Konzert gegeben. Unvergessen auch sein triumphaler Auftritt mit Catherine Deneuve auf dem weltberühmten Roten Teppich.

Legrand wurde 1932 in Paris in eine Musikerfamilie geboren. Im Alter von gerade zehn Jahren begann er seine Ausbildung am Musikkonservatorium in der französischen Hauptstadt. "Seit ich ein Kind war, war es mein Ziel, vollkommen von Musik umgeben zu leben. Mein Traum war es, niemals etwas zu verpassen, daher habe ich mich nie auf eine bestimmte musikalische Disziplin konzentriert", sagte er einmal.

Nach einem Ausflug in die Welt des Chansons und des Jazz widmete sich Legrand in den Sechzigerjahren verstärkt der Filmmusik. 1966 wagte er den Sprung nach Hollywood. Der Umzug in die USA sei damals ein "echtes Risiko" gewesen, erinnerte sich Legrand in seiner 2013 erschienenen Autobiografie. Doch der Erfolg gab ihm Recht.

Rolf Liffers