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Fatih Akin ist zurück: 70. Filmfestival voller Überraschungen

KUNST & KULTUR

Ein Film im Hauptwettbewerb, einer in der Nebenreihe «Un certain regard»: Das deutsche Kino ist beim heute in Cannes beginnenden Filmfestival gleich doppelt im Rennen. Die Sicherheitsvorkehrungen seien indessen so hoch wie nie, sagte gestern der Präfekt der Alpes-Maritimes, Georges-François Leclerc – mit Überwachung an Land, zu Wasser und in der Luft.

Akin und KrügerEndlich ist Fatih Akin zurück in Cannes! Wie diverse seiner talentierten Kollegen hat der deutsche Regisseur beim wichtigsten Filmfestival der Welt eine carte blanche, wie die Franzosen sagen würden: Er dreht einen Film – und schon ist er dabei! So halten die Macher des Festivals um Pierre Lescure und Thierry Frémaux es seit eh und je: Wer Leistung zeigt, bekommt für neue Projekte schnell Vorschusslorbeeren in Form einer erneuten Einladung nach Cannes.

Fatih Akin ergeht es so seit seinem internationalen Durchbruch mit «Gegen die Wand» (2004). Im folgenden Jahr war er erstmals in Cannes zu Gast – als Mitglied in der Jury. Außer Konkurrenz wurde damals sein Dokumentarstreifen «Crossing the Bridge» gezeigt. Sein nächster Spielfilm «Auf der anderen Seite» lief vor genau zehn Jahren, 2007, prompt im Hauptwettbewerb der französischen Festspiele, und fünf Jahre später gab es dort außer Konkurrenz die Uraufführung seiner Langzeitdoku «Müll im Garten Eden».

Jetzt, noch mal fünf Jahre später, ist Akin also zurück in Cannes – bei der 70. Ausgabe, die vom 17. bis 28. Mai die Welt des Kinos an der Côte d’Azur ticken lässt. In seinem Thriller «Aus dem Nichts» geht es um einen Bombenanschlag, vermutlich von Neonazis verübt, der Mann und Sohn von Katja tötet. Die Hauptrolle spielt Diane Krüger, ebenfalls seit Jahren gern gesehener Gast an der Croisette. Mit dabei sind außerdem Ulrich Tukur und Numan Acar, der es jüngst als Terrorist in der US-Serie «Homeland» zu einiger Berühmtheit brachte.

Nach Maren Ade im vergangenen Jahr ist diesmal erneut eine deutsche Regisseurin in Cannes am Start! Valeska Grisebach, die bei ihrem Werk übrigens mit Ade als Produzentin zusammengearbeitet hat, wird ihren Film «Western» in der angesehenen Nebenreihe «Un certain regard» zeigen. Sie erzählt die Geschichte von deutschen Bauarbeitern, die in der bulgarischen Provinz mit ihren eigenen Vorurteilen konfrontiert werden.

Im Hauptwettbewerb trifft man neben Fatih Akin verschiedene andere alte Bekannte – darunter den Österreicher Michael Haneke («Happy End»), der seinen dritten Hauptpreis holen könnte, Sofia Coppola («The Beguiled»), Francois Ozon («L’Amant double»), Jacques Doillon («Rodin»), Todd Haynes («Wonderstruck»), Andrej Swjaginzew («Loveless»), Yorgos Lanthimos («The Killing of a Sacred Deer») und Michel Hazanavicius («Le Redoutable»).

Über die Vergabe der Goldenen Palmen entscheidet der diesjährige Jury-Chef Pedro Almodóvar mit seinem Team aus Schauspielern und Regisseuren wie der Deutschen Maren Ade und Hollywoodstar Will Smith. Durch die Eröffnungsfeier sowie die Abschlusszeremonie führt die in Cannes ebenfalls äußerst geschätzte Monica Belluci.

Als Bonus zum 70. Festival sind diesmal sogar Serien eingeladen: Völlig außer Konkurrenz, aber als Weltpremieren laufen erste neue Folgen von «Twin Peaks» (David Lynch) sowie von «Top of the Lake» (Jane Campion/Ariel Kleiman). Vielleicht ist die Entscheidung für die Serien ja eine Anspielung auf das neueste Projekt, das in Cannes – unabhängig vom Filmfestival, aber, bitteschön, mit ähnlichem Glamour-Faktor – gerade für 2018 geplant wird

Was die Sicherheit betrifft, so kündigte Präfekt Georges-François Leclerc gestern ein nie da gewesenes Level an. Die Vorkehrungen ähnelten denen für ein großes internationales Gipfeltreffen, sagte Bürgermeister David Lisnard der Presse – unter anderem mit dem Einsatz von Eliteeinheiten, Spezialkräften zu Wasser und in der Luft sowie neuester Drohnen-Abwehrtechnik. Polizei und Militär würden Tag und Nacht im Einsatz sein. Wie viele Kräfte insgesamt? Diese Info gilt als top secret.

Aila Stöckmann

 

Strand-Kino

Am Plage Macé (links neben dem Palais des Festivals) wird allabendlich um 21.30 Uhr ein Film auf der im Meer stehenden Riesenleinwand gezeigt. Der Eintritt ist frei. Besonders viel Spaß macht es, eine Decke und Picknick mitzubringen und sich neben die bestuhlten Reihen direkt in den Sand zu setzen. Auf dem Programm:

Donnerstag, 18. Mai: «TOUT SUR MA MÈRE » von Pedro Almodóvar, 1999

Freitag, 19. Mai: «BUGSY MALONE» von Alan Parker, 1976

Samstag, 20. Mai: «SATURDAY NIGHT FEVER» von John Badham, 1977

Sonntag, 21. Mai: «CONCERT EXCEPTIONNEL» mit M und anderen. Bei Regen am Montag, stattdessen der Film von Montag

Montag, 22. Mai: «BAD BOYS» von Michael Bay, 1995

Dienstag, 23. Mai: «MISSING» von Costa Gavras, 1982

Mittwoch, 24. Mai: Zum 70. Geburtstag des Festivals «PARIS 2024, LES CHARIOTS DE FEU» von Hugh Hudson, 1981

Donnerstag, 25. Mai, 21 Uhr: CINÉ-CONCERT mit DJAM von Tony Gatlif. Bei Regen am Freitag, stattdessen der Film von Freitag.

Freitag, 26. Mai: «WEEK-END À ZUYDCOOTE» von Henri Verneuil, 1964

Samstag, 27. Mai: «UN 32 AOÛT SUR TERRE» von Denis Villeneuve, 1998