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France Gall in Paris gestorben – glückliche Tage in Ramatuelle

MENSCHEN

Saint-Tropez ist erschüttert. France Gall ist am gestrigen Sonntag mit 70 Jahren gestorben. Und das Dorf erinnert sich plötzlich wieder an die glücklichen Tage, die sie mit ihrem Mann Michel Berger in ihrem Haus "La Grande Baie" im benachbarten Ramatuelle verbrachte. Bis er dort am 2. August 1992 nach dem Tennis einen Herzanfall erlitt. Die Ärzte im Hospital von Saint-Tropez, vor dem sich viele Touristen und Paparazzi versammelt hatten, hatten dem erst 44-jährigen Sänger und Komponisten nicht mehr helfen können.

France Gall und Udo JürgensFrance Gall starb in Paris an Krebs. "Es gibt Worte, die man niemals aussprechen will", hieß es in der Erklärung ihrer Sprecherin. Seit Mitte Dezember war die Künstlerin in einem Krankenhaus in Neuilly behandelt worden, offiziell wegen einer schweren Infektion.

Die auch in Deutschland sehr populäre Sängerin hatte ihre Karriere mit 15 Jahren begonnen. Ihr Vater Robert Gall schrieb Liedtexte für den Chansonnier Charles Aznavour. France hatte 1965 mit Serge Gainsbourgs Titel "Poupée de cire, poupée de son" den Grand Prix Eurovision de la Chanson für Luxemburg gewonnen.

Gainsbourg, damals bekannt für seine Wortspiele und seinen Hang zu Frivolem, schrieb auch den Titel "Les sucettes". Gall, damals 19 Jahre alt, interpretierte das Lied 1966 und ging davon aus, von Dauerlutschern zu singen ("sucette"). Das Lied kann jedoch zweideutig verstanden werden, denn "sucette" ist im Französischen auch ein Wort für Fellatio. Als man ihr erklärte, was es mit den Lutschern auf sich hatte, war der Song längst ein Hit. Die Interpretin schämte sich zutiefst.

Zwischen 1966 und 1972 sang Gall auch auf Deutsch. "Ich liebe dich, so wie du bist", "Kilimandscharo", "Zwei Apfelsinen im Haar" und "Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte" zählen zu ihren bekanntesten Songs. Große Erfolge waren auch "Tout pour la musique" und vor allem "Ella, elle l'a", das sich in Deutschland 1988 vier Wochen lang auf Platz eins halten konnte.

Nach dem Tod ihres Mannes Michel Berger 1992 hatte France Gall kaum noch Konzerte gegeben. 1993 erkrankte sie an Brustkrebs. Als ihre Tochter Pauline vier Jahre später an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose starb, zog sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Erst 2015 meldete sie sich mit dem Musical "Résiste" zurück.

Der Sänger und Komponist Berger war ab 1959 durchs Radio bekannt geworden. Er entdeckte Véronique Sanson und schrieb Lieder für Françoise Hardy. Auch ein Album für Johnnie Hallyday stammt aus seiner Feder. 1976 heiratete er France Gall und schrieb für sie mehrere Alben. Mit ihr hatte er zwei Kinder.

Rolf Liffers