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Frankreich verbietet Gefangenschaft von Meeressäugern

WISSENSWERTES

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hat am Samstag ein neues Gesetz veröffentlicht, welches in Gefangenschaft lebenden Delfinen und Orcas zugutekommen soll und ihre Nachzucht verbietet. Tierschutz-Verbände sehen es als einen historischen Durchbruch in Frankreich. Betreiber von Meeres-Themenparks wie Marineland in Antibes hingegen stehen umfangreiche Änderungen bevor.

Der Meeres-Themenpark Marineland muss durch das neue Gestz einige Veränderungen durchführen. (Copyright Andreas Ahrens)Ein neues Gesetz verbietet die Haltung von Meeressäugern in Frankreich. Ausgenommen sind die Tiere, welche bereits in Gefangenschaft leben, jedoch darf keine Nachzucht mehr stattfinden. Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal veröffentlichte dieses Gesetz am Samstag. Außerdem müssen die Becken von Orcas und Delfinen um 150 Prozent vergrößert werden und dürfen kein Chlor mehr enthalten. Kontakt zwischen den Meeressäugern und Besuchern ist in Zukunft verboten. Die Tierparks haben sechs Monate Zeit, die neuen Maßnahmen umzusetzen. Die Vergrößerung der Becken muss innerhalb der nächsten drei Jahre durchgeführt werden.

In Frankreich leben etwa 30 Delfine in drei Freizeitparks in Gefangenschaft: im Park Astérix nördlich von Paris, in Planète Sauvage an der West-Küste und in Marineland in Antibes. Marineland ist Europas größter Meerestierpark und die meistbesuchte Touristen-Attraktion an der Côte d‘Azur mit jährlich mehr als 1,2 Millionen Gästen. Durch dieses neue Gesetz kommen nun eventuell existenzbedrohliche Veränderungen auf den Park zu: So darf die heißbegehrte Attraktion, bei der Besucher für 70 Euro mit den Delfinen im Becken schwimmen und spielen können, nicht mehr angeboten werden. Jon Kershaw, in Marineland für die Tiere verantwortlich, reagiert gegenüber der französischen Tageszeitung Nice-Matin verärgert auf das neue Gesetz: „Man hat eine Bombe auf uns geworfen, jemand will, dass wir verschwinden.“ Jedoch gab die Park-Leitung bekannt, dass alle Maßnahmen pünktlich umgesetzt werden sollen. Die Shows, bei denen die Tiere zu Musik Sprünge und andere Kunststücke vorführen, können weiterhin stattfinden.

Rodolphe Delord, Präsident des französischen Verbands der Tierparks, vermutet im Zuge des neuen Gesetzs Investitionskosten von 10 bis 20 Millionen Euro pro Park. Außerdem betrachtet er das Verbot der Reproduktion der Tiere als Eingreifen in den Tierschutz, sagte er gegenüber der französischen Tageszeitung Le Monde.

Tierschutz-Verbände begrüßen die neuen Maßnahmen und sehen das Gesetz als einen großen Schritt im Kampf für den Tierschutz. „Dies ist nur der erste Schritt. Was jeder will, ist, dass diese Art von Park sich grundlegend verändert“, äußerte sich Caroline Camus, Verantwortliche des gemeinnützigen Verbands „Sans Voix Paca“, gegenüber France Bleu Azur. Der Verband verlangt schon länger die Schließung von Marineland.

 

Larissa Bleckmann