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Friedhelm Osada macht Feiern zum unvergesslichen Event

MENSCHEN

Es war einmal im Jahr 1980, als Konzertkarten noch weniger kosteten als heute ein Bier in Saint-Tropez … Damals sollte ein gewisser Marius Müller-Westernhagen in Merzig im Saarland auftreten. Das Konzert musste organisiert, die Location klargemacht, die Eintrittskarten verkauft werden. Zufällig bekam der junge Friedhelm Osada, seit kurzem stolzer Plattenladenbetreiber, Wind von der Sache. Er nahm sich der Organisation an und reüssierte.

Der Rheinländer hatte Blut geleckt. Fünf Semester BWL und eine lebenslange Passion für Musik sollten genügen, um sich in der Branche durchzusetzen. Er wurde professioneller Konzertveranstalter und sorgte fortan dafür, dass nationale und internationale Stars die Säle in Südwestdeutschland vollkriegten. Und er knüpfte persönliche Kontakte zu den Bands. Rod Stewart, Bee Gees, Bon Jovi, die Scorpions, Patricia Kaas – er kennt sie alle.

37 Jahre später sitzt Friedhelm Osada in der Sommerküche seines Hauses oberhalb von Menton, blättert durch ein Fotoalbum und denkt zurück an alte Zeiten. Eine Anekdote zu Ina Deter hier, eine Erinnerung an Howard Carpendale da, und nicht zu vergessen – auch wenn das viel später war – jene Geburtstagsfeier einer 80-jährigen Unternehmerin in Stuttgart, für die er ihre Lieblingssängerin Anastacia als Überraschungsgast eingeflogen hatte. Ganz am Anfang des Albums klebt eine Eintrittskarte von 1980: Westernhagen steht da, darunter fettgedruckt «13 Mark».

1996 war Schluss mit Rock’n’Roll. Die Musikbranche hatte sich verändert, Osada machte Schluss mit seiner Agentur und suchte neue Herausforderungen. Quasi parallel zur Gründung einer Trockeneis-Firma («auch so ein Zufall in meinem Leben») begann er seine guten Kontakte zu nutzen, um private und Firmen-Feiern mit Gastspielen von Stars zu garnieren. «Solche Auftritte machen heute fast alle – seit die Einnahmen durch den CD-Verkauf eingebrochen sind», erklärt er und fügt schmunzelnd hinzu: «Wenn der Preis stimmt.»

Nie zum Beispiel wird er vergessen, wie er für das Fest einer großen Autofirma die amerikanische Band Pussycat Dolls organisierte. Das war ausgemacht mit dem Auftraggeber. Fürs i-Tüpfelchen sorgte der Rheinländer dann eigenmächtig: Er flog Rennfahrer Lewis Hamilton ein, in dessen damaliger Beziehung zur Frontfrau der Band es angeblich kriselte, und schickte ihn zu ihr auf die Bühne. Das herzergreifende Wiedersehen mit Nicole Scherzinger sprach Bände – im Festsaal wurde getobt. «Den Abend werden die 350 Gäste nie wieder vergessen!» sagt Osada und freut sich noch heute diebisch über sein Husarenstück.

Dieses Jahr ist Friedhelm Osada 60 geworden. Zeit, einen Gang runterzuschalten. Seine Trockeneis-Firma hat er vor zwei Jahren verkauft und seinen Lebensmittelpunkt nach Südfrankreich verlegt. Die Ecke kennt er gut, auch hier hat er schon viele Konzerte veranstaltet, sagt er, während sein Blick über den tief unten liegenden Hafen gleitet. Weil so gar nichts tun nun aber auch nicht sein Ding ist, will er seine Dienste für die Organisation außergewöhnlicher Feste und Galas künftig hier unten anbieten (www.your-gala.com).

Denn dass es ihn hier so schnell wieder wegzieht, kann er sich überhaupt nicht vorstellen. «So wohl gefühlt wie hier habe ich mich noch nirgends», sagt der Deutsche, der neben Merzig und Köln auch in Florida, Kalifornien, Lugano und am Comer See gelebt hat. Dank seines guten Französisch – «ich bin schließlich 300 Meter von der französischen Grenze aufgewachsen» – hat er schnell Bekannte und Freunde gefunden.

Mit seiner Lebensgefährtin hat er sich hier, einen Steinwurf von der Grenze zu Italien, sein Traumdomizil geschaffen. Während sie mit künstlerischem Händchen ein Mosaik an die Poolwand zaubert, genießt er die Aussicht aufs Meer: «Das ist meine Form von Meditation.»

Aila Stöckmann