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Gymnasium in Grasse: Was über die Schießerei bekannt ist

CÔTE D'AZUR & PROVENCE

Gymnasium in GrasseGegen Mittag wurden gestern in einem Gymnasium in Grasse Schüsse gehört. Ein 16-jähriger Schüler hatte das Feuer eröffnet. Mehrere Personen, unter anderem der Schulleiter, wurden verletzt. Der Täter wurde ohne Widerstand festgenommen.

Gegen 12.30 Uhr betrat ein 16-jähriger Schüler des Gymnasiums Tocqueville in Grasse schwer bewaffnet das Schulgelände. Er trug ein Gewehr, eine Pistole und mehrere Handgranaten bei sich. Als er das Schulgebäude betrat, eröffnete er das Feuer gegen seine Mitschüler. Drei Schüler sowie der Schulleiter, der sich dazwischen stellte und versuchte den Angreifer zu beruhigen, wurden durch Schüsse verletzt und befinden sich im Krankenhaus. Der Einsatz des Schulleiters wurde von verschiedenen Autoritäten wie dem Regionalpräsidenten Christian Estrosi sehr gelobt. Weitere zehn Personen stünden unter extremem Schock oder wurden bei Drängeleien leicht verletzt.

Was war das Motiv?

„Die Schießerei scheint mit einem schlechten Verhältnis des Täters gegenüber anderen Schülern zusammenzuhängen“, teilte die Staatsanwältin von Grasse, Fabienne Atzori, gegenüber der Presse mit und versicherte, dass kein Verdacht auf einen terroristischen Hintergrund bestehe. Andere Schüler gaben an, dass der Täter ein Außenseiter und Mobbingopfer sei und an der Schule keine Freunde habe.

Das Verhalten des Teenagers in sozialen Netzwerken ist alarmierend: Auf Facebook, Twitter und Youtube postete er offenbar regelmäßig Bilder und Videos von Blutbädern wie etwa ein Video vom Amoklauf in einem Gymnasium im US-amerikanischen Colorado 1999. Sein letzter Facebook-Post zeigt ein schwerbewaffnetes, über Leichen gehendes Skelett.

Die Waffen, die der Junge bei sich trug, gehörten offenbar seinem Großvater und Vater. Letzterer ist Abgeordneter im Stadtrat in Grasse. Ein Bekannter der Familie berichtete von einem engen Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern.

Momentan wird davon ausgegangen, dass der Schüler die Tat allein begangen hat, mögliche Komplizen seien jedoch nicht ausgeschlossen. Laut Staatsanwältin Atzori wurde der Zwillingsbruder des besten Freundes des Täters gestern Abend verhört und steht unter Beobachtung. Der Freund selbst wurde heute Mittag in Callian im Var von der Polizei aufgegriffen.

Was ist über die Schule bekannt?

Das Gymnasium Alexis de Tocqueville ist eine große Schule mit mehr als 900 Schülern am Rande von Grasse. Es hat ein überwiegend naturwissenschaftliches Profil und genießt einen guten Ruf. Nach dem gestrigen Angriff findet heute kein Unterricht statt. Die Schule ist jedoch geöffnet, um den Schülern einen Ort zum Austausch zu bieten.

Eine dringliche Frage bleibt: Wie konnte der Schüler unbeobachtet schwer bewaffnet in die Schule eindringen? Seit dem Attentat von Paris gilt das Programm „Vigipirate“ mit verstärkten Sicherheitsvorkehrungen an allen französischen Schulen. Die Schule kann morgens nur unter Aufsicht betreten werden, danach werden die Schultore verschlossen. Wer später auf das Gelände möchte, muss klingeln.

Clara Swaboda