Haupt-Reiter

Im April wird an der Côte das «Festival des Jardins» gefeiert

CÔTE D’AZUR

Gärten machen einen Teil der Einzigartigkeit der Côte d’Azur aus. Deshalb wird ihnen im April erstmals ein ganzer Monat gewidmet – zwischen Cannes, Grasse und Menton. Gespräch mit Jean Mus, der die Gartenlandschaft hier in den letzten Jahrzehnten wie wohl kein Zweiter mitgestaltet hat und nun selbstverständlich auch das Garten-Festival begleitet.

Gärten spielen in der heutigen Zeit eine wichtigere Rolle denn je – als Quell des Glücks im hektischen Alltag. Das behauptet jedenfalls Jean Mus, der bekannteste noch aktive Gartengestalter der Côte d’Azur, der seine begabten Finger überall dort im Spiel hat, wo repräsentative öffentliche Neubauten oder Hotels um passendes Grün ergänzt werden sollen. Besonders beliebt ist er seit Jahrzehnten überdies bei Nordeuropäern, speziell Engländern wie Deutschen, die sich mit seiner Hilfe in Frankreichs Süden Traumrefugien erschaffen.

Gefragt, ob man beim neu ins Leben gerufenen «Festival des Jardins de la Côte d’Azur» auf seine Expertise zählen dürfe, stimmte er zu: «Aber zu meinen Konditionen.»

Ein Jean Mus kann sich das erlauben.

Lebensraum, in dem fast alles gedeiht

Aber von vorne. Die Côte d’Azur, wie wir sie heute kennen, gäbe es nicht ohne ihre Gärten. Zuallererst war es im 19. Jahrhundert ihre üppige, exotisch anmutende Vegetation, nicht das Meer, die die Nordeuropäer anzog. Der Streifen zwischen Küste und Bergen, der selbst im Winter mit seinen Grüntönen prahlte und bunte Blüten trieb. Bald tobten sich englische Gartengestalter hier aus, legten Parks an, die mit den natürlichen Gegebenheiten spielten. Sträucher und Bäume aus allen Erdteilen wurden eingeführt und fanden eine großzügige Heimat. Bis heute hat die reiche Pflanzenwelt nicht an Attraktivität verloren: Beinahe eine Million Eintritte pro Jahr zählen die öffentlichen wie auch die regelmäßig für Besucher geöffneten Privatgärten in den Alpes-Maritimes.

2017 soll das touristische Potenzial der Gärten noch stärker genutzt werden als bisher. Deshalb werden sie im gesamten Departement erstmals mit einem «Festival des Jardins» gefeiert. Im ganzen Monat April, wenn der Frühling die Natur explodieren lässt, finden Veranstaltungen rund um die Gärten statt. Das Highlight: Zehn Schau-Gärten werden in den fünf Städten Grasse, Cannes, Antibes, Nizza und Menton für die Dauer eines Monats angelegt.

Jean Mus, Stephanie KnoblichHier kommt Jean Mus zurück ins Spiel. Der Präsident des neu geschaffenen Festivals trommelte eine Jury aus renommierten internationalen Gartenarchitekten und Landschaftsgärtnern zusammen, um dem Projekt das nötige Gewicht zu verleihen. Sie wählten aus den Bewerbern zehn Nachwuchs-Gartenplaner aus, die ihr Können ab dem 25. März an vorgegebenen Orten der fünf Städte beweisen werden (in Grasse im Garten der Villa Fragonard, in Cannes im Garten der Villa Rothschild, in Menton im Jardin Biovès, in Antibes im Pinède Gould und in Nizza im Jardin Albert Ier). Und sie werden die besten Gärten prämieren.

Was macht den perfekten Garten aus?

Was zeichnet für einen Pflanzenflüsterer wie Jean Mus, der 1500 Gärten in aller Welt konzipiert hat, den perfekten Garten aus? «Er muss Emotionen schaffen, alle fünf Sinne betören», erklärt der viel beschäftigte ältere Herr, «sonst ist er nicht komplett.» Er denkt an einen Windhauch, der durch Bambus raschelt, ein Wasserspiel, das Straßenlärm übertönt, an Düfte verschiedener Pflanzen, die sich komponieren lassen. «All das hat eine Auswirkung auf die Psyche.»

Der ideale Garten für einen Kunden ergibt sich für Jean Mus aus dem Zusammenspiel von Viererlei: dem Ort, der Bodenbeschaffenheit, den Vorlieben des Besitzers und den Ideen des Landschaftsarchitekten. «Es ist fast eine Art Liebesgeschichte.» Gemeinsam mit dem Kunden wähle er Pflanzen aus. Er sei dabei der Regisseur, der sich strikt nach den Bedürfnissen der grünen Lebewesen richte: «Die Natur ist der Chef, sie hat immer das letzte Wort. Schummeln gibt’s da nicht.»

Ob seinerzeit Karl Lagerfelds Privatvilla im Fürstentum, unlängst das Monte-Carlo-Bay-Hotel in Monaco oder Dietmar Hopps «Domaine de Terre Blanche» im Var – Jean Mus’ Expertise gilt im Süden als unverzichtbar. In Cabris hoch über Grasse beschäftigt er in seinem Büro zwölf Landschaftsgärtner. Sechs Sprachen werden dort gesprochen; der Meister selbst parliert fließend Englisch und wenn’s sein muss auch Deutsch.

Mus-GartenEr hat zwei Vorbilder in Sachen Gartenkunst – den deutschstämmigen Ferdinand Bach, später Bac, und den Engländer Russell Page, die beide im vergangenen Jahrhundert ihre Spuren an der Côte hinterlassen haben. Page (dessen Erbe unter anderem in der Domaine Saint-Jacques du Couloubrier in Grasse weiterlebt) habe er zu seinem Glück persönlich kennen gelernt, erzählt Jean Mus. Anregung ja, Kopieren nein – das gilt für ihn, das erwartet er aber auch von anderen. Gleichzeitig verabscheut er Wiederholungen: «Ich mache niemals das Gleiche zweimal.» Für ihn zählt das Morgen, gestern ist passé.

Wohlwollend beobachtet er, dass Städte heute Gärten wieder mehr Bedeutung beimessen; selbst Einkaufszentren legten zuletzt gesteigerten Wert darauf.

Dem Trend folgt nun also das Departement der Alpes-Maritimes, das den ganzen April über die Aufmerksamkeit seiner Besucher auf Parks und grüne Ecken lenken will. Ob als «beachtenswert» klassifizierte Gärten («jardins remarquables»), ob die Anlagen berühmter Villen oder Schlösser, ob Klöstergärten oder Parks rund um Museen, ob grüne Oasen hinter namhaften Hotels – oder private Gärten: Die Vielfalt an der Côte d’Azur ist noch immer einzigartig und begeistert nicht nur Pflanzenliebhaber!

Aila Stöckmann

 

«Festival des Jardins»: Thema des ersten Gartenfestivals, das vom 1. April bis 1. Mai im Departement Alpes-Maritimes stattfindet: «Die Erweckung der Sinne»

Welche Gärten kann man – auch außerhalb des Festival-Monats – besichtigen? Darüber geben die Offices de Tourisme der jeweiligen Orte Auskunft. Auch private Gärten, die nach Anmeldung Besucher empfangen, sind dort üblicherweise gelistet. Viele bieten während des Gartenfestivals im April besondere Führungen an.

Im Departement Alpes-Maritimes befinden sich rund 80 solcher zugänglichen Privat-Anwesen: in Antibes (Jardin Botanique der Villa Thuret, Parc Explora, Garten der Villa Eilen Roc, Garten des Fort Carré), Beaulieu (Garten der Villa Kérylos), Beausoleil (Wintergarten des Riviera Palace), Biot (Garten des Léger-Museums, Bonsai-Arboretum), Cagnes-sur-Mer (Domaine Renoir, Garten des Marro-Anwesens), Cannes (Garten der Villa Domergue, Garten der Villa Rothschild, Lérins-Inseln), Cap d’Ail (Parc Sacha Guitry, Garten des Château des Terrasses, Jardin des Douaniers), Châteauneuf-de-Grasse (Garten der Villa La Bouscarella), Coursegoules (Jardin du Vallon du Brec), Eze (exotischer Garten), Gattières (Jardins des fleurs de poterie), Gourdon (Schlossgarten, La Source Parfumé), Grasse (Garten des Parfüm-Museums, Garten des Musée Fragonard, Garten der Villa Noailles, Domaine de Manon, Garten der Villa Fort France, Garten der Villa La Mouissone, Garten des Mas des Pivoines, Garten der Domaine Saint-Jacques du Couloubrier, Domaine oléicole de la Royrie), La Gaude (Garten der Villa de l’Argelière), Mandelieu-La Napoule (Gärten des Schlosses La Napoule), Menton (Garten der Villa Maria Séréna, Garten Serre de la Madone, Garten Fontana Rosa, botanischer Garten Val Rahmeh, Garten des Palais de Carnolès, Biovès-Garten, Garten des Clos du Peyronnet, Jardin des Colombières, La Citronneraie), Monaco (exotischer Garten, japanischer Garten, La Roseraie, Parc de Fontvieille, Jardin de la Petite Afrique, Jardins Saint-Martin), Mouans-Sartoux (Garten des Sclosses von Mouans-Sartoux, Gärten des internationalen Parfümmuseums MIP), Mougins (Etang de Fontmerle), Nizza (Promenade du Paillon und Jardin Albert Ier, botanischer Garten, Parc Vigier, Parc Chambrun, Park des Mont Boron, Park auf der Colline du Château, Parc Phoenix, Parc d’Estienne d’Orves, Jardin du Vinaigrier, Parc de la Clua - Dr. Jean Guillaud, Parc du Castel des deux Rois, Garten am Observatorium, Jardin du Monastère und Jardin des Arènes de Cimiez, Gärten der Villa Arson, Garten des Palais Masséna, Garten des Museums für naive Kunst, Garten des Chagall-Museums, Garten des MAMAC, Garten des Matisse-Museums, Jardin Il Paradisio), Peymeinade (Au pays d’Audrey), Roure (Arboretum Marcel Kroenlein), Sainte-Agnès (mittelalterlicher Garten), Saint-Jean-Cap-Ferrat (Gärten der Villa Ephrussi de Rothschild), Saint-Paul-de-Vence (Gärten der Fondation Maeght), Saorge (Klostergarten), Tourrettes-sur-Loup (Bastide aux Violettes, Zitrusgarten der Confiserie Florian) und Vallauris-Golfe-Juan (Le Nérolium).