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Kosslicks letztes Festival - langjähriger Berlinale-Chef in Cannes

KULTUR

Eine Woche vor Ende seiner eigenen Amtszeit als langjähriger Berlinale-Chef stattete Dieter Kosslick den Kollegen in Cannes einen Besuch ab. Mit der Stadt am Mittelmeer verbindet der Mann mit dem Schal viele Erinnerungen, auch kulinarischer Art, wie er der RZ verriet. Vor vielen Jahren hat er sogar mal an der Côte d’Azur gelebt.

dieter kosslick Diesen Mai hatte er gleich mehrere Auftritte und diverse Verabredungen vor Ort, sodass ihm fürs Filmeschauen so gut wie keine Zeit blieb. Neben seiner eigenen Abschiedsparty in Cagnes-sur-Mer und einem Rendez-vous mit seinem französischen Pendant Thierry Frémaux, dem künstlerischen Direktor des Festivals in Cannes, schritt er einmal aber doch über den roten Teppich die Treppe zum Palais des Festivals hinauf: als dort der begeistert aufgenommene Film «A hidden Life» von Terrence Malick gezeigt wurde, in dem Kosslick an der Seite des kürzlich verstorbenen Bruno Ganz einen Cameoauftritt hatte.

Herzensangelegenheit war ihm schließlich der Besuch auf der Arte-Yacht im Hafen der Festivalstadt. Dort ehrte ihn Tobias Bütow, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW), für sein 18-jähriges Engagement als Direktor der Berlinale –speziell sowohl in Hinblick auf seinen Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft als auch auf Programme für die Jugend.
Das Jugendwerk wiederum lädt jedes Jahr in Zusammenarbeit mit der Festival-Nebenreihe für Nachwuchs-Regisseure Semaine de la Critique 20 deutsche und französische Schüler nach Cannes, um ihnen einen Einblick in die Welt des Kinos zu ermöglichen. Auf dem Boot erhielten die Schüler zum Abschluss ihres Einsatzes eine Urkunde.

«Ich hab’ genug Filme in meinem Leben gesehen», plauderte Dieter Kosslick gelöst am Rande der Veranstaltung und ohne großes Bedauern darüber, dass er in Cannes kaum Zeit im Kinosessel verbringen konnte. Für einige Besuche in seinen Lieblingsrestaurants in der Festivalstadt reichte es zum Glück: Seit 20 Jahren esse er regelmäßig im «Aux bons enfants», aber auch das «Bella Storia» begeistere ihn, so der bekennende Gourmet – beide einen Katzensprung von seinem Hotel entfernt. Dem wiederum sei er ebenso treu: Übernachtet wird immer im selben Zimmer im Hotel Splendid, schräg gegenüber vom Palais des Festivals.