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Männer und Frauen sollen endlich das Gleiche verdienen

CÔTE D‘AZUR & PROVENCE

Pünktlich zum Tag der Frau: Nach Mitteilung der französischen Regierung sollen Unternehmen ab 50 Mitarbeitern im Lauf der nächsten drei Jahren Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen ausgleichen. Andernfalls droht ihnen eine Geldstrafe von bis zu einem Prozent der gesamten Lohnkosten der Firma.

Einkommens-Geschlechterlücke. Foto:  Nick Youngson CC BY-SA 3.0 Alpha Stock Images

Laut Ouest-France verdienen Männer in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur 26 Prozent mehr als Frauen, obwohl diese oft die bessere Ausbildung haben. Das Gesetz schreibt bereits seit 45 Jahren vor, dass beide für gleiche Arbeit das gleiche Gehalt bekommen. Dieser Missstand soll nun also ausgeglichen werden. Zur Unterstützung dieses Ziels sollen Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre eine spezielle Software installieren, die an das Lohnabrechnungssystem gekoppelt wird. In ihrem neuen Plan für die berufliche Gleichstellung plant die Regierung außerdem eine Vervierfachung der Kontrollen der Arbeitsaufsicht über gleiches Entgelt für Männer und Frauen.

Woher kommt das Lohngefälle? Liegt es an der Leistung, der Arbeitszeit, dem Ausbildungsniveau? Oder werden Frauen schlicht diskriminiert? Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Dares, das sich auf Arbeitsbereiche konzentriert, bei denen stundenweise abgerechnet wird, hat einige Gründe genannt. Zu einem Drittel liegt der Gehaltsunterschied in der Teilzeitarbeit begründet, die es häufiger bei Frauen gibt (31 Prozent) als bei Männern (7 Prozent) gibt. Dies ist einer der wichtigsten Gründe.

Ungefähr zehn Prozent des Lohngefälles können auch dadurch erklärt werden, dass Männer von besser bezahlten Überstunden profitieren oder andere Prämien erhalten, etwa Risikozuschläge etc. Haben Frauen einen Anspruch auf solche Prämien, dann sind diese meist um 37 Prozent niedriger als bei Männern. Die Studie zeigt deutlich, dass weibliche Kräfte seltener die besser bezahlten Führungsposten besetzen. Zudem haben ältere Frauen zuweilen keine gleichwertigen Abschlüsse wie Männer und unterbrechen ihre Berufslaufbahn häufiger aus familiären Gründen. Abgesehen von Faktoren wie das Ausbildungsniveau, die Berufserfahrung, das Dienstalter, Vertragstypen, Teilzeit, Arbeitsbereiche, die Größe des Unternehmens, existiert immer noch eine Art Grauzone, in der Gehaltsunterschiede von rund zehn Prozent auftreten, die nicht wirklich erklärbar sind. Sie könnten unter Umständen mit individuellen Eigenschaften zu tun haben, die von der Studie nicht genügend berücksichtigt wurden. Oder aber sie hängen mit Praktiken oder Vorgängen zusammen, die diskriminierend sind und Frauen in ihrer Berufslaufbahn zum Nachteil gereichen.

Birgit Thiemann