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Memoiren der Brigitte Bardot jetzt auch auf Deutsch erschienen

KULTUR

Die Memoiren von Brigitte Bardot ("Larmes de combat"), die dieses Jahr vom Verlag Plon auf den Markt gebracht wurden, sind soeben auch auf Deutsch erschienen. Zur Feier des Tages trafen sich deutsche und französische Künstler bei der Eigentümerin des legendären Hotels de la Ponche in Saint-Tropez, Simone Duckstein, zu einer literarischen Dämmerstunde – unter ihnen die Schauspieler Mario Adorf mit Frau Monique und Axel Ganz mit Frau Renate, der ortsansässige deutsche Maler Stefan Szczesny und der Verleger Oliver Kneidl. Brigitte Bardot (BB), die öffentliche Auftritte verabscheut, blieb der Veranstaltung fern, wurde bei der zweisprachigen Cocktail-Lesung aber von ihrem Mann Bernard d’Ormale und der Koautorin ihrer Biographie, Anne-Cécile Huprelle, vertreten. Die französische Presse freute sich, dass das Buch, dessen Erlöse der Tierschutzorganisation des ehemaligen Kinostars zufließen soll, jetzt auch "in der Sprache Goethes" erhältlich ist.

Im Mittelpunkt des Buches steht der Kampf der BB um die Gleichberechtigung von Mensch und Tier (wir berichteten darüber bereits im Zusammenhang mit der Erstausgabe von Plon). Es dient der Autorin aber auch als eine Lebensbeichte. Ihre vielen Affären überschreibt sie mit dem Satz: "Man wechselt die Liebhaber, niemals jedoch das Parfüm."

"Mein Leben ist durch und durch von Leidenschaft bestimmt", bekennt die inzwischen 84-jährige Actrice. "Liebe, die nicht Passion ist, ist wertlos. Ich liebe die Liebe, und genau deshalb war ich so oft untreu." Wenn eine Liebesbeziehung abflaute, habe sie sich "unweigerlich auf die Suche nach anderen Amouren gemacht". Denn Grauzonen könne sie nicht leiden und gebe sich nicht mit dem Zweitbesten zufrieden. Freundschaft sei "im Vergleich zu leidenschaftlicher Liebe nicht mehr als ein Almosen". Dann schildert die Diva Details ihrer Beziehungen – zu Serge Gainsbourg, zu Samy Frey, zu Jean-Louis Trintignant bis hin zu ihrem heutigen Ehemann.

Was die Bardot extrem beschäftigt, ist der Tod: "Der Gedanke daran lähmt mich. Denn ich bin mir nicht sicher, ob ich dort, auf der anderen Seite, die Menschen wiedertreffen werde, die ich hier gekannt habe." Am liebsten würde sie - "schwupp!" - mit einem Schlag verschwinden. Was nach dem Tod kommt, sei "einfach nur abscheulich; der Verfall des Körpers; das ist unappetitlich". Auch das Krematorium sei keine Lösung, "denn ich habe Angst vor dem Feuer". Auch wünsche sie sich nicht unbedingt ein Leben nach dem Tod. "Wer weiß, was für ein Durcheinander uns drüben erwartet? Dann lieber schlafen, endlich ausruhen. (…) Ich will nicht leben, bis ich hundert bin, und nicht wissen, wann es zu Ende geht.“ Nur schnell gehen soll es, und leiden wolle sie nicht.

"Ich möchte in meinem Garten am Meer beerdigt werden"

"Ich möchte nicht auf dem Friedhof von Saint-Tropez, sondern in meinem Garten am Meer beerdigt werden." Dazu habe sie sich schon "ein Eckchen am Ufer" ausgesucht, gegen das auch die Kommunalverwaltung nichts einzuwenden habe, schildert die Wahl-Tropézienne. "Auf den gemeindlichen Friedhof, wo meine Eltern und Großeltern ruhen, will ich nicht, weil man dort ständig mit der Zerstörungswut von Vandalen rechnen muss."

Ihr Haus "La Madrague" soll nach ihrem letzten Willen Museum werden. Der Eintritt sollte nicht frei sein, sondern zwei oder drei Euro kosten, die ihrer Tierschutz-Stiftung zufließen.

Saint-Tropez selbst kann die in Paris gebürtige alte Dame längst nicht mehr ausstehen. "Ich gehe nie mehr in den Ort. Nicht nur, weil ich kein Aufsehen erregen oder mich in Gefahr bringen will – auch weil das liebenswerte Fischerdörfchen, das ich kannte, schon lange nicht mehr existiert.“ Heute sei Saint-Tropez nur noch "eine Luxusvitrine ohne Seele".

In "Tränen des Kampfes" beschreibt die Ikone des französischen Kinos ihren Kampf zum Wohle der Tiere, der sie vor dem "Schwindel des Rampenlichts gerettet" habe. Erneut verlangt sie "eine gemeinsame Zukunft" aller Lebewesen. "Dieser testamentarische Text soll der Nachwelt meine Überzeugung, meine Verzweiflung und meine Hoffnung überliefern", erläutert BB. „Danach werde ich keine Bücher mehr schreiben.“ "Larmes" sei insofern "mein Vermächtnis".

Ihre Lebensgeschichte von der Kindheit bis in die Gegenwart

In der über 300-seitigen deutschen Fassung erzählt die Diva ihre ganze Lebensgeschichte. Sie beschreibt ihre Kindheit, ihre Jahre als Filmstar bis zum "brutalen Bruch mit dem Kino" 1973 und ihre Probleme mit der eigenen Berühmtheit. Vor allem aber blickt "das Tier, das ich bin" und der "lebende Mythos", als den sie sich selbst ansieht, auf "die Bedeutung ihres Kampfes für die Tierwelt“ zurück. „Ich bin nicht Teil der menschlichen Rasse, ich möchte nicht dazu gehören, ich fühle mich anders, fast abnormal", bekennt sie wörtlich.

Die einstige Schauspielerin, die 1956 im Alter von 22 Jahren mit dem Film "Und Gott erschuf das Weib" ihren Durchbruch schaffte, sagt heute, dass sie immer sensibel für die Sache der Tiere gewesen sei. "Schon als Kind dachte und fühlte ich wie ein Tier." Ihr erster Ehemann Roger Vadim habe ihr die Augen für die Zustände in den Schlachthöfen geöffnet. 1973 habe er sein Leben radikal verändert und sich ganz seinem "Pionierkampf" gewidmet. Dabei habe er in Kauf genommen, "oft missverstanden" zu werden. "Mein erster Lebensabschnitt war wie der Entwurf meiner Existenz.“ Der zweite gab "mir die Antworten auf die Fragen, die ich mir bis dahin gestellt hatte".

Kampf um Robbenwelpen, gegen Stierkampf, Jagd und Zoo, Industriezucht, Pelzwirtschaft und Pferdefleischvermarktung

Anekdotenreich berichtet die Tierschützerin von ihren Kampf um Robbenwelpen, gegen Stierkampf, Jagd und Zoo, Industriezucht, Pelzwirtschaft und Pferdefleischvermarktung, deren Abschaffung sie hoffentlich noch erleben werde. Sie nennt Nicolas Sarkozy und den erst kürzlich zurückgetretenen Umweltminister Nicolas Hulot zwei "große politische Enttäuschungen", auch was "das Abschlachten von Wölfen" betrifft.

Im Zusammenhang mit ihren fünf Verurteilungen wegen Anstiftung zum Rassenhass versichert sie, sie habe "nie jemanden gebeten, rassistisch zu sein". Nie habe sie "Rassenhass geschürt". Sie verwahre sich lediglich gegen die rituellen Schlachtungen der Juden und Muslime.

BB äußert sich überdies auch "zu der Polemik", die sie ausgelöst habe, "als ich meine Schwangerschaft und meinen Sohn Nicolas ablehnte und zu Immigrationsfragen Stellung nahm.“ Die Beziehung zu ihrem Sohn habe sich unterdessen „normalisiert".

"Meine Reise auf der Erde wird nicht umsonst gewesen sein", glaubt die Bardot. "Und meine Seele wird Frieden finden."

Rolf Liffers

Brigitte Bardot: "Tränen des Kampfes", Verlag Nagel&Kimche