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Neuerungen inklusive: Vorhang auf fürs 71. Filmfestival in Cannes!

KUNST & KULTUR

Seit gestern schon stehen die schwarzen Limousinen am Flughafen Nizza in den Startlöchern, erste Stars – wie die Schauspieler Benicio del Toro, Julianne Moore und Kristen Stewart – sind an Côte d’Azur gelandet. Morgen Abend beginnen 30 Autominuten weiter westlich die 71. Filmfestspiele in Cannes.

Schon im Vorfeld des diesjährigen Filmfestivals von Cannes (8. bis 19. Mai) wurde viel geschrieben. Zurück zu mehr Ernsthaftigkeit wolle der Festivalchef die Festspiele führen, der Banalisierung Einhalt gebieten. Dazu zählt das Selfie-Verbot auf dem roten Teppich – ein Anliegen, das Thierry Frémaux allerdings bereits seit 2015 predigt. Tatsächlich neu ist die Empfindlichkeit der Festivalmacher gegenüber Kritikern – die mögliche Verrisse schon vor der Filmpremiere in die Welt posaunen könnten. Denn während fürs Premierenpublikum die Beiträge des Hauptwettbewerbs um 19 und 22 Uhr im Grand Théâtre Lumière über die Leinwand flimmern, bekamen Medienvertreter die Abendfilme bislang bereits ab 8 Uhr früh zu sehen. Damit ist nun Schluss: Frühestens parallel zur Gala-Vorführung werden Journalisten in diesem Jahr gefüttert.

Das größte Medien-Echo indessen rief Frémaux’ Ankündigung hervor, der Streaming-Dienst Netflix und vergleichbare Anbieter seien vom Wettbewerb ausgeschlossen, wenn sie sich nicht zu einem Kinostart der Festival-Beiträge in Frankreich verpflichteten. Gleiche Bedingungen galten schon 2017, nur damals hatte Netflix sich darüber hinweggesetzt.

Weniger Stars, mehr politisches Kino – das charakterisiert die Auswahl der Filme im diesjährigen Hauptwettbewerb. Einen deutschen Beitrag findet man in der viel beachteten Nebenreihe «Un certain regard»: Regisseur Ulrich Köhler – Lebensgefährtin Maren Ade konkurrierte mit ihrem Film «Toni Erdmann» vor zwei Jahren um die Goldene Palme – zeigt sein Werk «In My Room». Die australische Schauspielerin Cate Blanchett («Elizabeth», «Der Herr der Ringe») übernimmt den Jury-Vorsitz im Hauptwettbewerb, die Schweizer Regisseurin Ursula Meier («Winterdieb») ist Jury-Chefin für die Vergabe der Goldenen Kamera für das beste Regie-Debüt.

Zurück in Cannes ist auch Wim Wenders: Die Dokumentation «Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes» des deutschen Regisseurs ist Teil der offiziell ausgewählten Beiträge des Festivals, läuft allerdings außer Konkurrenz.

PS: Auch Zaungäste haben an der Croisette in Cannes einen Platz. Neben dem Blick, der sich von den Premierengästen auf der Treppe zum Palais erhaschen lässt, bekommen Filmfans abends im Strandkino Klassiker geboten – kostenlos!

AS

 

Programm im Strandkino (Plage Macé, neben dem Palais des Festivals), Beginn jeweils 21.30 Uhr:

Donnerstag, 10. Mai: Le Spécialiste (1969, Sergio Corbucci)

Freitag, 11. Mai: Le Grand Bleu (1988, Luc Besson)

Sonntag, 13. Mai: El Massir (1997, Youssef Chahine)

Montag, 14. Mai: L’une chante, l’autre pas (1976, Agnès Varda)

Dienstag, 15. Mai: Vertigo (1958, Alfred Hitchcock)

Mittwoch, 16. Mai: Grease (1978, Randal Kleiser)

Donnerstag, 17. Mai: Le Grand Bal (2018, Laetitia Carton)

Freitag, 18. Mai: Bagdad Café (1987, Percy Adlon)

 

www.festival-cannes.com