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Porträt von Picasso-Muse für 41 Millionen Euro versteigert

KUNST

Bei einer Auktion in New York ist das Porträt „Femme assise, robe bleu“ von Pablo Picasso versteigert worden. Das Auktionshaus Christie’s teilte jetzt mit, es habe umgerechnet 41 Millionen Euro eingebracht. Verkauft wurde das Bild aus Privatbesitz – an wen, ist nicht bekannt. Das Gemälde aus dem Jahr 1939 zeigt Picassos damalige Muse Dora Maar auf einem Stuhl sitzend. Die Beziehung der Fotografin, die sich aus Liebe zu Picasso der Malerei zugewandt hatte, hielt acht Jahre und zerbrach 1943, als er die 21-jährige Françoise Gilot kennen lernte. Die Trennung von Picasso, der ihr mehrere Stillleben, Zeichnungen und ein Haus im kleinen Ménerbes in der Provence überließ, konnte Maar nicht verwinden. Sie lebte von da an isoliert in ihrer dortigen Wohnung und mied gemeinsame Freunde.  

Picasso-WerkWährend Maars Stillleben 1944 in der Galerie Jeanne Bucher in Montparnasse ausgestellt wurden, litt sie an starken Depressionen. Im Mai 1945 wurde sie drei Wochen lang in einer psychiatrischen Klinik behandelt, später kümmerte sich auf Geheiß von Picasso und Paul Éluard der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan um Maar. Noch im selben Jahr folgte eine Ausstellung ihrer Gemälde aus der Nachkriegszeit bei René Drouin. 1946 wurden die Werke in der Galerie Pierre Loebs ausgestellt.  

In den folgenden Jahren ließ sich Dora Maar in der Provence (Ménerbes, bei Apt im Luberon) nieder, suchte Trost in der Religion und malte Stillleben und Landschaften. Im Juni 1954 kam es zu einer Begegnung zwischen ihr und Picasso. Der war zu dieser Zeit mit Jacqueline Roque (1927–1986) liiert.  

1957 wurden Dora Maars Werke in der Galerie Berggruen in Paris ausgestellt. In den 1970er-Jahren widmete sie sich abstrakten Landschaften und verkaufte aus finanziellen Gründen mehrere Picasso-Bilder. In späteren Lebensjahren kehrte sie zur Fotografie zurück, arbeitete mit alten Negativen und experimentierte mit so genannten „Rayogrammen“, fotografischen Bildern ohne Kamera. Die Arbeit mit den Lichtgraphiken hatte ihr Man Ray beigebracht, zur Kamera griff sie jedoch selbst nicht mehr. 1994 stürzte Dora Maar und war nach einem Krankenhausaufenthalt ans Bett gefesselt. Sie starb drei Jahre später im Alter von 89 Jahren.  

1936 wurde die 29-jährige Dora Maar, die neben Französisch fließend Spanisch, Kroatisch und Englisch sprach, durch Paul Éluard im Café Les Deux Magots in Saint-Germain-des-Prés mit Pablo Picasso bekannt gemacht. Die attraktive junge Frau mit dem langen schwarzen Haar und den grünen Augen wurde zur bekanntesten Geliebten, Muse und zum Modell des spanischen Künstlers. Die überzeugte Kommunistin verschaffte Picasso Kontakt zu politisch engagierten Intellektuellen wie André Breton und Louis Aragon und dokumentierte 1937 fotografisch die Arbeit an seinem bekannten Gemälde Guernica und weiteren Werken.  

Maars Unnahbarkeit und ihre als rätselhaft beschriebene Ausstrahlung hielt Picasso in einer Reihe von Porträts als „Weinende Frau“ fest, die als Ausdrucksmittel für seine Trauer um das im Bürgerkrieg befindliche Heimatland gedeutet werden. Die Werke standen im Kontrast zu den Bildern der blonden Marie-Thérèse Walter (1909–1977), die er in der Regel in hellen, leuchtenden Farben dargestellt hatte. Mit seiner vorherigen Geliebten, die ihm 1935 die gemeinsame Tochter Maya geboren hatte, konkurrierte Dora Maar um die Gunst Pablo Picassos. Der hatte das schulterzuckend mit den Worten quittiert: „Ich hatte kein Interesse daran, eine Entscheidung zu treffen … Ich sagte ihnen, sie sollten es unter sich ausmachen.“

R.L.