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Provence-Fans in aller Welt trauern: Autor Peter Mayle ist tot

KULTUR

Der Brite Peter Mayle liebte die Provence. Seine erfolgreichsten Bücher spielten hier, in seiner Wahlheimat. Schließlich musste der Millionenautor aus Ménerbes fliehen, wo ihm Horden von Touristen und Paparazzi das Leben in seinem liebevoll renovierten Bauernhaus zur Hölle machten. Am Ende versteckte er sich in Vaugines, einem 500-Seelen-Dörfchen bei Lourmarin im Departement Vaucluse in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur. Dort ist der Engländer letztes Wochenende nach kurzer Krankheit in einem Hospital überraschend gestorben. Er wurde 78 Jahre alt.

Viele Zugereiste an der Côte d’Azur erinnern sich, wie sie sich bei Lektüre des ersten Mayle-Buchs "Mein Jahr in der Provence" auf die Schenkel schlugen vor Vergnügen, als sie von den Leiden des Neuprovenzalen mit einheimischen Handwerkern lasen, die nur allzu sehr ihren eigenen Erfahrungen glichen. Das war so um 1990. Mit einer Auflage von 3000 Exemplaren ging der Erstling in Druck. Am Ende war das Buch in über 40 Sprachen übersetzt. Die Auflage stieg weltweit auf über sechs Millionen Exemplare und diente schließlich auch als Vorlage für eine Fernsehserie, in der die Neubürger aus dem Norden bei allem Überlegenheitsgefühl doch einräumen müssen, dass sie die chaotischen Südfranzosen im Grunde ihres Herzen um ihre Lebensart beneiden.

Peter Mayle war ein Aussteiger. Geboren in Brighton, arbeitete er als Kellner, Busfahrer. 15 Jahre war er in der Werbebranche und schrieb Lehrbücher, bevor er sich 1987 in die Provence absetzte.

"Einen Roman hatte Mayle schreiben wollen, doch er verfasste eine Selbstauskunft, um die ihn in seiner Heimat so viele beneideten, dass sie ihm nacheiferten. Daraus wurde ein regelrechter Exodus, eine Pensionärseinwanderung und Tour de France anglais, ein Brexit in umgekehrter Richtung", schrieb die FAZ. Mayle besang die Provence in dem ihm eigenen sonnig-ironischen Ton als Harmonie von Land und Leuten, Licht, Lavendelduft, Wein und vorzüglicher Küche (über die er gar nicht genug schreiben konnte). Reiseveranstalter konnten es sich nicht besser wünschen.

So wurde Mayle zum Propheten eines guten Lebens und zur Attraktion. Reisende sollten ruhig einmal bei ihm vorbeischauen, meinte eine britische Zeitung, ihn in seinem zweihundert Jahre alten Landhaus zwischen Ménerbes und Bonnieux besuchen und – anklopfen. Daraufhin pilgerten Touristen aus der ganzen Welt zu Mayles Domizil im Luberon, sie picknickten in seinem Garten und sprangen in seinen Pool, während die Paparazzi durch die Fenster "schossen".

Mayle nahm am Ende Reißaus. Er ging mit seiner Frau in die Vereinigten Staaten, wohnte auf Long Island, Barbados, den Bahamas und zog wieder nach London. Dabei hatte er seine Sehnsuchtslandschaft, die Provence, niemals wieder verlassen wollen. Tatsächlich kehrte er auch zurück. Seine Adresse hielt er diesmal aber geheim.

Man weiß nur so viel: Der Regisseur Ridley Scott, der 2006 Mayles Roman „Hotel Pastis“, eine Liebesgeschichte in der Midlife-Crisis mit Russell Crowe und Marion Cotillard in den Hauptrollen, verfilmte, war sein Freund und Nachbar.

Rolf Liffers