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Retter des Meeres - die Tauchgruppe "Fonds Bleus" in Antibes

WISSENSWERTES

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Jacky steht in seinem Taucheranzug vor einem Müllberg. Ein Autoreifen, ein Stuhl und ein Tisch, Plastikflaschen und andere Gegenstände sind dort zu sehen. Wie jeden Dienstag waren Jacky und die anderen Mitglieder von «Fonds Bleus» an diesem Morgen im Mai vor der Küste von Antibes-Juan-les-Pins auf Unterwasser-Streifzug, um Dinge aus dem Meer zu fischen, die dort nichts verloren haben. Der lokale Verein kümmert sich seit 2016 um den Meeresboden rund um die Stadt. Ins Leben gerufen hat das Ganze Jean-Jacques, genannt Jacky, Fieschi. Er ist Hobbytaucher und in Antibes geboren. Mit den Jahren wurde ihm klar, dass das Meer und die Küste vor seiner Heimatstadt immer dreckiger wurden, denn ständig traf er beim Tauchen auf Müll – im Wasser treibend und auf dem Meeresgrund.

Dagegen wollte er etwas unternehmen und gleichzeitig eine Message an die Öffentlichkeit senden. «Jeder Mensch kann eine Kleinigkeit tun, indem er seinen Müll richtig entsorgt.» Der Verein wird von privaten Sponsoren finanziert und hat von der Stadt Antibes die Erlaubnis erhalten, dort egelmäßig zu tauchen. Mit der Aktion tragen die Mitglieder ebenfalls dazu bei, das Label der Blauen Flagge für die Strände zu erhalten.
Nach und nach hat Jacky Unterstützung von drei weiteren Männern und einer Frau bekommen, Philippe Antoine, Jean-Claude Alunni, Jacques Landra und Aurélie Bedos. Die Gruppe taucht, solange das Wetter mitmacht, jede Woche vor den Stränden von Antibes und Juan-les-Pins. Weitere freiwillige Taucher sind jederzeit herzlich willkommen. Zu Beginn der Aktion im Jahr 2016 fand Jacky viele große und sperrige Teile wie Metallstangen und ähnliche Über-reste vom großen Hochwasser 2015. Bei ihren Aufräumaktionen fischen er und seine Mitstreiter jedes Mal aufs Neue beachtliche Mengen an Müll. Zwar nicht immer große Teile, aber definitiv ist jedes Mal Plastik mit dabei.

Zu den kuriosesten Dingen, die sie gefunden haben, zählen ein Staubsauger, ein Einkaufswagen und ein Spülbecken. Dosen, T-Shirts, Verpackungen, Stühle sind nur einige der Dinge, die sie regelmäßig zu Tage fördern. Die Mitglieder von Fonds Bleus filmen ihre Aufräumaktionen jedes Mal und teilen die Videos und Bilder an-schließend auf ihrer Facebook-Seite. Dazu laden sie Erklärvideos hoch, in denen sie zeigen, was passiert, wenn man seinen Müll nicht richtig entsorgt. Denn jedes Stück Papier oder Plastik, das auf der Straße landet, gelangt bei Regen in die Kanalisation und damit direkt ins Meer. Jacky und die anderen Mitglieder wollen den Menschen bewusst machen, worauf sie achten müssen, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Besonders Zigarettenstummel, die achtlos auf den Boden geworfen werden, seien ein großes Problem, erklärt Jacky. Denn sie enthalten Chemikalien, die so ins Meer gelangen.

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Die Gruppe von Fonds Bleus muss bei ihren Tauchgängen nicht lange suchen, um auf Müll zu stoßen. Nur wenige Meter vom Strand entfernt finden die Umweltschützer ihre «Beute» am Meeresboden. Woche für Woche transportieren die Taucher den Müll mit einem kleinen Schlauchboot zurück an den Strand. Mitarbeiter der Stadt holen den gesammelten Unrat dann ab. «Betrunkene Menschen, die am Strand sind, werfen sogar einfach achtlos ihre Plastikstühle ins Meer», kritisiert Jacky. Er und seine Mitstreiter sind jedes Mal erstaunt, was und wie viel sie finden. «Und es wird leider nicht weniger… », bedauert Jacky. Man sieht ihm an, wie nahe ihm das Thema geht.
Am Strand stehen mittlerweile Schilder, die zeigen, wie lange es dauert, bis sich Müll abgebaut hat und welche Tiere im Meer leben.

Letztes Jahr haben die Mitglieder von Fonds Bleus Grundschulkinder mit an den Strand genommen und ihnen gezeigt, welche Folgen unachtsam entsorgter Müll haben kann. Dieses Jahr wollen sie dasselbe mit einer fünften Klasse machen. «Die Kinder von heute sind diejenigen, die morgen diese Botschaft weitergeben sollen», sagt Jacky. Die Gruppe arbeitet momentan zudem an einem weiteren Projekt: Mithilfe der Verwaltung und von Investoren wollen Jacky und die anderen Netze vor den Abflüssen der Stadt installieren, die den Müll auffangen, bevor er ins Meer gelangt. 50 Prozent des Mülls könnte so rechtzeitig abgefischt werden, heißt es.

Freiwillige Aufräumaktionen Mittlerweile werden in der Region immer mehr Aufräumaktionen organisiert, um gegen den Müll an Land und im Meer vorzugehen. Die Stadt Antibes hat unlängst zu einer Aktion im Hafen Vauban aufgerufen. Fonds Bleus war ebenfalls vor Ort, so wie viele andere freiwillige Helfer. Die Stadt Nizza hat gemeinsam mit dem Verein «everyday.earth» das sogenannte «Plogging» gestartet: In Gruppen geht man gemeinsam wandern, joggen oder spazieren und sammelt unterwegs den Müll auf, um ihn anschließend ordnungsgemäß zu entsorgen. Ende April organisierte die Stadt außerdem eine Tour durch Nizza, bei der Freiwillige mit Mülltüten bewaffnet den rumliegenden Müll aufsammelten – ähnlich wie auch einige Studenten des Studentenprogramms «Erasmus».

von Nina Barth