Haupt-Reiter

Saint-Tropez ehrt Brigitte Bardot mit Bronze-Statue

KULTUR

Brigitte Bardot zeigt sich in diesen Tagen dreifach "gerührt". Zum einen hat ihr die Gemeinde Saint-Tropez, die durch die Schauspielerin weltberühmt geworden ist, schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Zum zweiten, weil sie in ihrem druckfrischen Buch "Moi je joue" von der zu Herzen gehenden Romanze mit Serge Gainsbourg erzählt. Und drittens, weil ihr das Kinomuseum in der einstigen Gendarmerie von Louis de Funès an der Place Blanqui aus Anlass ihres 83. Geburtstags bis zum 15. Januar 2018 eine Sonderausstellung "Un Mythe de Saint-Tropez" widmet.

Bardot-BronzeIn ihrem soeben bei Flammarion erschienenen Buch, das den Titel eines ihrer früheren Chansons trägt, kommt die französische Film-Ikone auch auf ihre musikalische Karriere zu sprechen. Die Affäre mit Gainsbourg sei kurz, aber leidenschaftlich gewesen, schildert sie mit feuchten Augen dem Fernsehsender Téléstar. "Aber sie war von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil ich sie nicht leben konnte." Hin- und hergerissen zwischen ihrem Ehemann Gunther Sachs und ihrem Liebhaber Serge hätte sie keine wirkliche Wahl gehabt.

B.B. geht in diesem Zusammenhang auch noch einmal auf ihr Duett "Je t’aime moi non plus" mit Gainsbourg ein, bei dessen Titel sich der Musiker auf ein Zitat von Salvador Dalí ("Picasso ist Kommunist, und ich auch nicht") gestützt hatte. "Auch hier saß ich zwischen zwei Stühlen", erläuterte sie. "Entweder ich riskierte die Scheidung, oder ich musste die Veröffentlichung des Liedes verhindern, das ich bis heute als die schönste Liebeserklärung empfinde, die je einem Menschen gemacht worden ist."

"Je t’aime" war in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 1967 entstanden. Gainsbourg hatte es für seine verflossene Liebe Brigitte Bardot geschrieben. Obwohl erst ein Jahr mit Sachs verheiratet, war B.B. 1967 mit ihm zur Aufnahme des Songs ins Studio gegangen. Kurz vor Erscheinen der Platte waren ihr jedoch Bedenken gekommen. Sie bat Gainsbourg, das Lied mit Rücksicht auf die Gefühle ihres Mannes unter Verschluss zu halten. Daraufhin hatte Gainsbourg die Plattenfirma veranlasst, die Single, von der bereits 40.000 Exemplare gepresst waren, auf seine Kosten zu vernichten.

1969 nahm Gainsbourg das Stück dann mit seiner neuen Partnerin und späteren Ehefrau Jane Birkin auf. Das Luststöhnen mit wachsender Atemfrequenz mit entsprechend provokantem Text löste weltweit Empörung und Proteste des Vatikans aus mit dem Ergebnis, dass es bald in vielen Teilen der Welt die Charts anführte.

Viel Aufsehen erregte die Enthüllung der Bardot-Bronzestatue von Milo Manara, die in Saint-Tropez unter großem Tamtam auf der Place Blanqui zelebriert wurde. Enthüllung im doppelten Sinne des Wortes. Denn das B.B.-Abbild ist unbekleidet (und bringt trotzdem 700 Kilogramm auf die Waage). Bei dem Kunst-Stück handelt es sich um ein Geschenk der Fondation Millon zu Ehren der berühmtesten Einwohnerin des einstigen Fischerdorfs, die – so Bürgermeister Tuveri – zugleich als Schauspielerin, Symbol der weiblichen Emanzipation wie auch als mutige Tierschützerin in die Geschichte eingegangen sei.

Bei einer Lokalzeitung ist es angesichts dieser vielen wunderbaren Eigenschaften offenbar zu einem freudschen Irrtum gekommen: Dort konnte man lesen, die Nackte sei "gedankenversunken" dargestellt "wie die Venus von Milo". Tatsache ist, dass das Modell in der Tat versonnen dreinblickend auf einer Muschel hockt, also eher die schaumgeborene Aphrodite von Botticelli zum Vorbild haben könnte. Immerhin heißt wenigstens der Künstler Milo...

Rolf Liffers