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Salvador Dalí - eine Hommage an den Meister der Selbst - Inszenierung

KULTUR

Monaco widmet dem spanischen Meister eine Hommage: An die 100 Dalí-Werke zeigt die traditionelle Sommer-Ausstellung im Grimaldi Forum von Juli bis September. 

dali ausstellung monaco kunstDalí? Oft sind es zuerst die markant gezwirbelten Schnurrbartspitzen, die beim Gedanken an den Künstler vor dem inneren Auge auftauchen. So gut beherrschte der vor 30 Jahren verstorbene Spanier die Selbst-Inszenierung, dass sein eigentliches Werk auch heute noch zuweilen hinter seiner Person verschwindet. 
Dass das dem Maler nicht gerecht wird, ist Ausgangspunkt der Ausstellung, die diesen Sommer im Grimaldi Forum in Monaco zu sehen ist. 38 Gemälde, 28 Zeichnungen und dazu Fotos aus Salvador Dalís Leben – entstanden zwischen 1910 und 1983 – reisen dazu ins Fürstentum. Die meisten Leihgaben stammen aus drei Museen: der Stiftung Gala-Salvador Dalí in Figueres, dem Nationalmuseum Centro de Arte Reina Sofía in Madrid und dem Dalí-Museum in St. Petersburg, Florida.
Der Tiefgang des Malers (1904-1989), der «seiner Zeit ständig voraus» war, werde oft verkannt, sagt die Direktorin der Dalí-Museen, Montse Aguer. Sie hat die Ausstellung zusammen mit dem Team des Grimaldi Forums konzipiert. Die promovierte Kunstwissenschaftlerin ist dem Künstler noch persönlich begegnet, wie sie im RZ-Gespräch erzählt, und vor allem von seiner außerordentlichen Technik, seiner Vorstellungskraft und den rätselhaften Elementen in Dalís Bildern begeistert: «Ich liebe die Provokation in seinen Werken!»dali monaco kunst Den vermeintlichen Narzissmus des Katalanen versteht sie als Scheu vor den Menschen und den Versuch, sich eine schützende Maske zu schaffen. Ja, er und seine Frau Gala hätten viel Wert auf Äußerlichkeiten gelegt, schicke Klamotten etwa, sagt Montse Aguer. «Tatsächlich wollte er Aufmerksamkeit von allen, aber die versuchte er dann auf seine Malerei zu lenken. Schon früh hat Dalí sich dazu auch die Massenmedien zunutze gemacht.» In Monaco führt die Dalí-Kennerin das Publikum chronologisch durch dessen Werke. So wird seine Entwicklung verständlich, werden Einflüsse anderer Maler und Strömungen auf sein Werk offenbar. 

Dalí mischte überall mit: Seiner impressionistischen Phase folgte die kubistische. Daran schloss sich die im kollektiven Gedächtnis verankerte surrealistische Phase an – mit Motiven, die er dem Unbewussten, der Traumwelt, entlockt. Zerrinnende Uhren und Krücken sind wiederkehrende Sujets der von ihm «paranoisch-kritisch» getauften Mal-Methode.
In der in den 40er- und 50er-Jahren folgenden klassischen Periode offenbart sich Dalís Leidenschaft für die Kunstgeschichte und seine Begeisterung für die Meister der Renaissance. Unterstützt von seiner Frau und Muse Gala setzt er sich intensiv vor allem mit seinen Vorbildern Jan Vermeer, Raffael, Velásquez, Leonardo da Vinci auseinander.
Und schließlich fesseln den zeitlebens neugierigen Maler in den Siebzigern amerikanische Kunstströmungen. Mit Andy Warhol verbindet ihn eine Freundschaft, Pop Art wird seine letzte Spielwiese.

dali monaco kunst ausstellungNeben einer Nachbildung seines imaginären «idealen Ateliers» wird im Grimaldi Forum auch Dalís Bezug zur Côte d’Azur thematisiert: Der Besucher kann Fotos des Künstlers mit der damaligen monegassischen Fürstin Gracia Patricia entdecken ebenso wie Schnappschüsse von ihm in Coco Chanels Villa «La Pausa» in Roquebrune-Cap-Martin. Dort hat er übrigens auch ein paar Bilder gemalt – darunter eines, das in der Ausstellung gezeigt wird: die düstere Landschaft «Violette impérial» aus dem Jahr 1938, die seine Sorge vor dem Krieg spiegelt.
Zeitlebens erinnern Elemente in Dalís Bildern an die felsige Bucht des kleinen Fischerhafens Portlligat im äußersten Nordosten Spaniens und ans Licht und die Schatten, die die Felsbrocken warfen. Hier war Dalí aufgewachsen, hierher sollte er immer wieder zurückkehren und zur Ruhe kommen. Das Haus, das er aus alten Fischerkaten nach und nach erweiterte und bis zum Tode Galas im Jahr 1982 bewohnte, ist heute öffentlich zugänglich.

Eine Obsession war für Dalí auch der Tod – und seine Sehnsucht nach Unsterblichkeit. Seinen Anfang nahm das Thema bereits mit seiner Geburt: Dalí wurde neun Monate nach dem Tod seines drei Jahre vor ihm geborenen Bruders geboren. Er erhielt er denselben Vornamen wie der Bruder – und suchte wohl zeitlebens nach einer eigenen Identität.

«Dalí, une histoire de la peinture»

  • Die Ausstellung ist vom 6. Juli bis 8. September im Grimaldi Forum Monaco zu sehen
  • Geöffnet täglich von 10 bis 20 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr
  • Eintritt: 11 Euro
  • www.grimaldiforum.com

Von Aila Stöckmann