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Superhelden in spe: Der weite Weg vom Welpen zum Blindenhund

WISSENSWERT

Seit mehr als einem Jahrhundert bildet ein Verein in den Alpes-Maritimes Blindenhunde aus und übergibt sie - gratis – an blinde oder schwer fehlsichtige Menschen. Um zu funktionieren, ist die association auf Hilfe angewiesen.

Für sein Herrchen oder Frauchen bedeutet ein Blindenhund Freiheit, Autonomie und die so wichtige Präsenz eines treuen und kuscheligen Begleiters. Aber wie kommt ein blinder oder schwer fehlsichtiger Mensch an einen Vierbeiner, der diese schwere Führungsrolle verantwortungsvoll übernehmen kann?

Für Südfrankreich gibt es seit 1966 den Verein «Les Chiens Guides d’Aveugles Provence Côte d’Azur Corse». Mehr als 550 Hunde hat die association seither im gesamten Südwesten Frankreichs übergeben. Der Bedarf wäre deutlich höher, sagt Vereinssprecherin Margaux Passeri. Aber man tue, was man irgend könne – denn staatliche Unterstützung erfährt der gemeinnützige Verein nicht.

Die Ausbildung eines einzigen Hundes kostet rund 25.000 Euro, erklärt Margaux. Pro Jahr übergibt der Verein 15 bis 18 Hunde – da ist schnell überschlagen, was allein an Spenden immer wieder aufgebracht werden muss.

Aber nicht nur Geldzuwendungen sind gefragt. Die association sucht regelmäßig Gastfamilien, in denen die jungen Blindenhunde in spe sozialisiert werden. Im Alter von zwei Monaten kommt ein Welpe in sein vorübergehendes Zuhause. Dort soll er die Welt kennen lernen und an allem beteiligt werden, was die Familie unternimmt: vom Ausflug an den Strand oder in die Berge bis zum Einkaufen mit regelmäßigen Spaziergängen in belebter Umgebung. Es gilt, ihn an verschiedenste Gerüche, Lärm, Menschenmengen zu gewöhnen. Wenn das Ganze von jeder Menge Liebe und Streicheleinheiten seitens der Gastfamilie begleitet ist, sind die Weichen für einen tüchtigen, selbstsicheren Blindenhund gestellt. Damit er außerdem die üblichen Hundekommandos erlernt, geht’s einmal monatlich zur vereinseigenen Hundeschule in Eze.

«Das wichtigste Kriterium für die Auswahl der Gastfamilien ist ihre Verfügbarkeit», so Margaux Passeri. «Die Menschen müssen jede Menge Zeit mit dem Tier verbringen.» Es darf gearbeitet werden, wenn auch nicht gerade von 8 bis 18 Uhr, und der Hund sollte dabei sein. Vorkenntnisse in der Hundeerziehung sind nicht nötig – Trainer helfen bei Bedarf jederzeit.

Mit einem Jahr verlassen die Labradore, Golden Retriever, manchmal auch Großpudel ihre Gastfamilie und werden sechs bis acht Monate lang intensiv von einem Trainer auf ihre Aufgabe als Blindenhund vorbereitet. Nicht jeder wird die Tests bestehen, so Margaux. Die Eignungsquote liege bei 70 bis 80 Prozent. Nebenbei: Auch nicht jeder Blinde, der sich um einen Hund bewirbt, erfüllt die Kriterien, die der Verein zugrunde legt.

Neben der konkreten Arbeit mit den Tieren rühren Mitarbeiter des Vereins vor allem die Werbetrommel: Sie präsentieren die association regelmäßig auf Veranstaltungen, bei Messen, in Unternehmen, um über ihre Arbeit zu informieren und Spender, ehrenamtliche Helfer oder Gastfamilien zu finden. Familien werden auch immer wieder gesucht für Hunde, die den Sprung zum Blindenführer nicht geschafft haben und diejenigen, die mit acht bis zehn Jahren «in Rente» gehen und nicht bei ihren blinden Herrchen oder Frauchen bleiben können.

Lust zu helfen? Der Verein freut sich auf Ihren Einsatz!

Aila Stöckmann

 

Les Chiens Guides d’Aveugles de Provence Côte d’Azur Corse
Centre d’éducation Pierre Aicard
Route de la Revère
06360 Eze
Info: +33 (0)4 92 07 18 18
www.chiensguides.org