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Taucher in der Hauptrolle: Monacos Projekt «Landerweiterung»

MONACO

Monaco vergrößert sich. Das ist seit fast zwei Jahren unübersehbar: Seither schirmen bemalte Lärm- und Sichtschutzwände das Festland von der Baustelle ab – die sich im Meer befindet. Hier, schräg vor dem Grimaldi Forum, entsteht halbkreisförmig peu à peu der neue Stadtteil «Anse du Portier».

Monaco Landerweiterung anse du portierSelbst wenn der Blick vom Ufer nicht versperrt wäre, sähe man wenig von der Arbeit. Denn das meiste spielt sich vorläufig unter der Wasseroberfläche ab. Natürlich sind schwere Maschinen im Einsatz. Eine wesentliche Rolle aber kommt Tauchern zu. Auch sie sieht man logischerweise kaum.
Rund 50 speziell geschulte Profitaucher wechseln sich heute fast rund um die Uhr mit ihren Einsätzen ab: Sie assistieren computergesteuerten Maschinen und warten sie, verrichten Arbeiten, die nur von Menschenhand erledigt werden können, und wachen über die Qualität der ausgeführten Schritte und den Schutz des Meeres.
Schon 2017 heuerten die ersten von ihnen an: Sie brachten Neptungräser, Edle Steckmuscheln und bestimmte Algen aus der Gefahrenzone. Anfang 2018 dann waren sie gefragt, als die Vorbereitung des Untergrunds begann. Und seit im Laufe des vergangenen Jahres die ersten Elemente der späteren Außenmauer eintrafen, hat sich ihre Anzahl vervielfacht.

Gürtel aus Betonklötzen
18 Stahlbetonklötze sollen in einer Art extrem stabilem Gürtel den Rand der halbrunden Landerweiterung formen. Der Innenraum wird anschließend mit Sand und Gestein aufgefüllt, um bebaubaren Grund zu bilden.
Vergangenen Herbst gelangten die ersten trapezförmigen caissons aus Marseille vor die Küste des Fürstentums. Einer nach dem anderen werden die 10 000-Tonnen-Giganten von kraftvollen Schiffen durchs Meer gezogen. Bis Ende dieses Jahres sollen alle der jeweils 56 Meter breiten, 50 Meter tiefen und 27 Meter hohen Klötze am geebneten Meeresgrund verankert sein. Sichtbar ist von ihnen dann nur die berühmte Spitze des Eisbergs: Etwa sechs Meter ragt Gürtel am Ende aus dem Wasser.

20 Meter unter der Oberfläche
Monaco Landerweiterung Bau Stadt TaucherEntsprechend spielt sich ein Großteil der Arbeiten derzeit bis zu 20 Meter unter der Oberfläche ab: Die Taucher, die per Funk mit dem Kontrollzentrum an Land verbunden sind, stellen sicher, dass die caissons beim Absenken bis auf zehn Zentimeter passgenau in die vorgesehene Lücke gesetzt werden. Zuvor haben sie bereits die je acht mit dicken Schrauben befestigten Platten mit Halteösen von den Betonklötzen gelöst, an denen sie mit Stahlseilen hinter einem Schiff hergezogen worden waren.
Auch das ist mit Handschuhen und sperrigem Werkzeug in mehreren Metern Tiefe kein Kinderspiel: Vier Tage dauert es, bis ein caisson von störendem Metall befreit und die entstandenen Löcher wieder versiegelt sind.
Immer wieder geht es zudem um den Meeresschutz. So werden zusätzliche Planen senkrecht im Meer verankert, um zu verhindern, dass aufgewühlter Grund auch das Wasser in benachbarten Schutzzonen trübt. Denn dadurch würden Flora und Fauna massiv bedroht.
Und schließlich müssen große Unterwasserrohre verlegt werden, die bislang auf dem Gebiet der künftigen Landerweiterung im Meer endeten – etwa Regenwasserrohre oder Zu- und Abfluss für das Thalassozentrum Monacos. Neue, 300 Meter lange Rohre mit einem Durchmesser von drei Metern werden daher in einer Tiefe zwischen 6 und 32 Metern verankert – auch das ein klassischer Taucher-Job.

2203 Tauchgänge in 14 Monaten Monaco Bau Landerweiterung Stadt Taucher
Nicht weniger wichtig ist dann noch die Qualitätssicherung. Jede Bewegung unter Wasser wird per Helmkamera dokumentiert, jeder Tauchgang minutiös protokolliert. Überprüft wird jede Installation, aber auch die Werkzeuge und das verbaute Material ebenso wie der Einfluss auf die Umwelt durch regelmäßige Wasser- und Sedimentproben.
Ein Tauchgang kann bis zu drei Stunden dauern – im Winter ebenso wie im Sommer. Fünf Teams wechseln sich ab und kommen auf täglich bis zu 18 Stunden unter Wasser. Zwischen Januar 2018 und Februar 2019 wurden so auf genau 2203 Tauchgängen insgesamt 2841 Stunden und 57 Minuten an der Tauchflasche gezählt.

AS