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Versteckte Kamera: Schlachthof-Skandal in Südfrankreich

WISSENSWERTES

Blutige Schockbilder der Tierschutzvereinigung L214 wurden am gestrigen Mittwoch auf der Webseite von Le Monde veröffentlicht. Die Videos waren heimlich in zwei Schlachthöfen in Südfrankreich aufgenommen worden und zeugen von mittelalterlichen Bedingungen, qualvollen Methoden und unnötiger Brutalität.

Schlachthof Es ist nicht zum ersten Mal, dass die L214 zuschlägt. Die Videos der Organisation – beispielsweise in den Schlachthöfen in Vigan und Alès (Languedoc-Roussillon-Midi-Pyrénées) – wurden bereits tausendfach angeklickt und angeschaut. Ziel ist es die Menschen über die wahren Bedingungen der Tierzucht, des Transports, Fischfangs und nicht zuletzt der Schlachtung aufzuklären.

Die aktuellen Horrorbilder stammen aus den Schlachthöfen Pézenas (Hérault) und Puget-Théniers im Mercantour (Alpes-Maritimes) und wurden im November 2015 und Mai 2016 heimlich aufgenommen.

Die Präfektur der Alpes-Maritimes äußerte sich bereits zum Skandal und versicherte, dass erst vor kurzem (am 23. April) eine Ordnungsmäßigkeitsprüfung der „Direction de la protection des populations“ (DDPP) in Puget-Théniers durchgeführt wurde. Festgestellt wurden einige „Mankos“, die innerhalb einer zweimonatigen Frist behoben werden sollten. Der Betrieb wurde jedoch nicht eingestellt. Erst nach der Video-Publikation der L214 wurde die Schlachterei im Mercantour bis auf Weiteres geschlossen.

Etlichen französischen Schlachthäusern fehlt es an finanziellen Mitteln. Eingespart wird bei eigentlich unabdingbaren Infrastrukturen wie der Elektrobetäubung der Rinder und Schafe in Puget-Théniers sowie bei der Fachausbildung des Personals.

Getreu dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“, entschloss sich der Gewerkschaftspräsident des Schlachthofs im Mercantour, Emmanuel Vizza, nun dazu in die Offensive zu gehen. Laut Nice Matin will Vizza die Vereinigung L214, die sich seit 2008 für das Wohlergehen von Nutztieren einsetzt, nun verklagen. Grund dafür sei das illegale Einschleusen von Kameras in die Einrichtung.

Die Schockvideos stießen frankreichweit auf große Resonanz. Selbstverständlich äußerte sich der Bürgermeister von Puget-Théniers, Robert Velay, zu dem Vorfall. Aber auch Prominenz wie etwa die französische Schauspielerin und Tierliebhaberin Brigitte Bardot reagierte. BB sandte prompt ein (anklagendes) Schreiben an den Agrarminister.

Der Verbund „269 Life – Libération Animale“ stellte über Facebook eine Nachtwache auf die Beine, die heute ab 18 Uhr vorm Schlachthof im Mercantour stattfinden und bis fünf Uhr nachts dauern soll. Rund 500 Menschen werden bereits erwartet.

 

FS