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Verstorbener Ikea-Gründer liebte Südfrankreich

MENSCHEN

Der Gründer des Möbelhauses Ikea war einer der zehn reichsten Menschen der Erde. Er entstammte einer thüringischen Großgrundbesitzerfamilie aus dem Altenburger Land, die später nach Schweden zog, und hatte eine Vorliebe für die Provence. Dort – in Le Pradet bei Toulon – erwarb er daher das malerische, aber damals ziemlich abgewirtschaftete Weingut "Domaine de la Navicelle" im Departement Var. Am Wochenende ist Ingvar Kamprad mit 91 Jahren im Kreise seiner Familie im smaländischen Älmhult gestorben.

"Er kam mehrfach im Jahr hierher, um auszuspannen – vorzugsweise während der Weinlese", sagte Pradets Bürgermeister Hervé Stassinos der Presse. Kamprad, der stets sehr bescheiden und volksnah aufgetreten sei und keinerlei Aufsehens um seine Person gemacht habe, sei regelrecht "verliebt" gewesen in die Region. Er wäre aber nicht Ingvar Kamprad gewesen, wenn er sich das zwischen Meer und sanften Hügeln gelegene, 18 Hektar große Anwesen allein zum Faulenzen gegönnt hätte (Zitat des Getriebenen: "Das meiste ist noch ungetan"). Sehr schnell machte der Pfennigfuchser, der seine Kleidung ausschließlich auf Flohmärkten ergatterte, die Weine der Navicelle zu einer rentablen Marke, verkaufte sie in der schon wenig später eröffneten Ikea-Filiale von Toulon und vermietete einen Teil seines Weinguts an Feriengäste.

Den Erfolg seiner Produkte verdankte der skandinavische Laien-Winzer dem französisch-chilenischen Ehepaar Utard, das den alten Weinberg zu neuen Erfolgen führte. Und das ging so: Im Unterschied zu den meisten anderen Weingütern der Gegend der Côte d’Azur spezialisierte sich Navicelle auf die Herstellung von süßen und fruchtigen Weinen. Die Rotweine und einige Rosés wurden mit dem würzigen Syrah verfeinert. Der Elsässer Utard kommt bei dem Ergebnis seiner Arbeit regelrecht ins Schwärmen und behauptet, im Aroma den Duft von Pinien und Erde sowie die Wärme des Südens vereint zu haben.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg schätzt Kamprads aktuelles Vermögen auf 59 Milliarden Dollar, was den alten Kauz nicht daran hinderte, seinen geliebten Kautabak im Zehnerpack zu kaufen, weil er dann ein Döschen umsonst bekam.

Die letzten Jahre lebte Ingvar Kamprad hauptsächlich in dem Weiler Bölsö, 20 Kilometer von Älmhult entfernt, auf einem Anwesen am See. Dort ist er am Samstag in Frieden gestorben. Ein enger Verwandter, der bis zuletzt bei ihm war, sagte der Riviera Zeit auf Befragen: "Wir hatten eine kleine Trauerfeier in seinem Hauptwohnzimmer. Alle seine Söhne und ihre Familien waren am offenen Sarg zugegen; außerdem ein Priester, bevor man den Toten zur Einäscherung heraustrug." In aller Herzen sei nun "ein großes Loch zu füllen".

Rolf Liffers