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Von Saint-Tropez nach Hamburg: Middelhoff schreibt Krimi

KUNST & KULTUR

Der kriminelle Ex-Topmanager Thomas Middelhoff, lange Jahre mit Hauptwohnsitz Bürger von Saint-Tropez, schreibt an einem Wirtschaftskrimi. Es ist sein zweites Buch.

Noch hinter Gittern hatte der Westfale seine Gefängniserfahrungen zu einem ersten, im Herbst 2015 erschienenen Roman "A 115 – Der Sturz" verarbeitet. Jetzt schreibt er an seinem zweiten Werk, einem Wirtschaftskrimi, in den er auch seine Erfahrungen aus den Chefetagen einfließen lassen will. Oft sitzt er nach eigenen Angaben den ganzen Tag am Schreibtisch und bastelt an der Story, erzählt er in einem kleinen italienischen Restaurant in der Nähe der Außenalster. In Hamburg also? Ja – Middelhoffs Villen in Bielefeld und Saint-Tropez sind längst zur Befriedigung seiner Gläubiger zu Geld gemacht worden. Und die Hansestadt dient ihm jetzt als Basis für ein neues Leben mit seiner Lebensgefährtin.

Er hält auch Vorträge und beteiligt sich an Podiumsdiskussionen wie in dieser Woche beim Katholischen Kirchentag zum Thema "Meinen Frieden finden" in Münster. Er setzt sich öffentlich für eine Strafrechtsreform ein und ist auch nicht abgeneigt, demnächst als Unternehmensberater tätig zu werden.

Middelhoff, der am heutigen 11. Mai 65 wird, wirkt abgeklärt: "Reichtum ist überhaupt nicht wichtig. Das kann ich guten Gewissens sagen. Als ich ein ordentliches Vermögen hatte, war ich kein glücklicherer Mensch als heute", versicherte er kürzlich der dpa.

Er sollte wissen, wovon er spricht. Er hat in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt wie nur wenig andere Firmenlenker. Er war einer der einflussreichsten Manager Deutschlands, erst als Chef des Medienriesen Bertelsmann, später als Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor. Er lebte ein Leben im Luxus mit Villa und Yacht in Saint-Tropez. Und er erlebte nach der Pleite von Arcandor einen Absturz von epischer Dimension: Die Verurteilung zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Untreue zu Lasten des Handelskonzerns, den Verlust seines Vermögens durch eine Privatinsolvenz, die Scheidung nach 45 Ehejahren und eine schwere Krankheit (die Riviera Zeit berichtete fortlaufend).

Hätte er nicht den totalen Zusammenbruch erlebt, wäre er heute wahrscheinlich "ein gelangweilter Multi-Aufsichtsrat", könnte sich Middelhoff denken. Sein neues Leben habe einen ganz anderen Zuschnitt. Doch trotz aller Aufbruchsstimmung: Das alte Leben lässt den Manager noch nicht ganz los. Noch wird er in seinem Tatendrang gebremst vom laufenden Insolvenzverfahren, bei dem er den größten Teil seiner Einkünfte an die Gläubiger abgeben muss. Planmäßig würde es bis 2021 dauern.

Middelhoff hofft, in den nächsten Monaten mithilfe eines sogenannten Insolvenzplans eine Einigung mit den Gläubigern erzielen zu können, die ihn schon bald von weiteren Zahlungsverpflichtungen befreit. Ein derartiger "Vergleich" setzt allerdings voraus, dass die Gläubiger am Ende besser dastehen als ohne eine solche Regelung. Irgendjemand aus Middelhoffs Umfeld müsste also wohl noch einmal tief in die Tasche greifen, um eine Einigung zu ermöglichen.

Die rund 50 Gläubiger haben nach Angaben von Insolvenzverwalter Thorsten Fuest insgesamt Forderungen von 415 Millionen Euro angemeldet. Anerkannt worden sind bislang allerdings nur Forderungen in Höhe von rund 45 Millionen Euro. Dem stehen vom Insolvenzverwalter sichergestellte Mittel in Höhe von 11,5 Millionen Euro gegenüber.

Middelhoff hat in den vergangenen Jahren sehr viel verloren. Dennoch wirkt er nicht verbittert. "Wenn ich zurückgucke, sage ich nicht, was hat man mir weggenommen, sondern was habe ich alles gehabt und was habe ich gestalten dürfen", sagte er im Manager-Magazin.
Gefragt, was das Beste an seinem neuen Leben ist, gerät Middelhoff sogar einen Moment lang ins Schwärmen: "Dass es beglückend ist, dass es aufregend ist, und ich noch nicht genau absehen kann, wohin es geht, aber ich das Gefühl habe, es wird richtig gut."

R. Liffers