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Der Triathlon-Papst

Vom Schmuckdesigner zum Mann, der aus Triathlon einen Breitensport macht: Der Österreicher Georg Hochegger ist einer der Pioniere der neuen Lifestyle-Sportart. Seit acht Jahren lebt er an der Côte d’Azur und hat nicht nur dem zweitältesten Triathlon-Wettkampf der Welt in Nizza wieder auf die Füße verholfen, sondern ein Globus umspannendes Netz für Sport-Events etabliert. In Rekordzeit.
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Am Morgen unserer Verabredung kommt Georg Hochegger aus Madrid zurück nach Monaco. Dort hatte am Vortag Arnold Schwarzenegger den Startschuss zum Tristar-Triathlon gegeben. Ein Win-Win-Deal: Arnie macht Werbung für seine gerade erschienene Autobiografie und lenkt gleichzeitig Interesse auf den Triathlon. Mit dem Prinzip ist Schwarzeneggers Landsmann Hochegger immer gut gefahren bei all den Sport-Events, die er auf die Beine stellt.

Aber auch ohne Promi-Hilfe funktioniert sein Konzept, vor allem Triathlon-Wettbewerbe zu Riesenereignissen zu machen. Georg Hochegger und seine damaligen Partner hatten früh erkannt, welches Potenzial in der Boom-Lifestyle-Sportart für Ausdauer-Freaks steckte. Jogging allein ist öde, aber in Kombination mit Schwimmen und Radfahren plötzlich eine abwechslungsreiche Herausforderung, die von Kindern bis zu Menschen in hohem Alter jeder ohne allzu großen Aufwand betreiben kann. Und erst recht ist es die Ausgleichssportart schlechthin für gestresste Manager mit Gesundheitsbewusstsein und dem nötigen Kleingeld für Hightech-Equipment und Reisen zu Wettbewerben an Traum-Locations rund um den Globus.

Das Wasser brodelt, wenn Hunderte von Amateur-Athleten im September vom Larvotto-Strand in Monaco den Tristar 111 in Angriff nehmen. Nach einem Kilometer Schwimmen zurück an Land, führt die 100-km-Radstrecke sie über die Corniche auf eine große Schleife durchs Hinterland, ehe der Formel-1-Kurs noch per pedes abzulaufen ist.

Wer ist der Kärtner, der die wichtigsten Triathlon-Veranstaltungen in Frankreich und mittlerweile weltweit organisiert?

Ein Besessener? Ein Vollblutsportler? Ein Marketinggenie? Einer, der Menschen klug zusammenbringen kann?

Wohl ein bisschen von all dem. Georg Hochegger, 47, war in seinem ersten Leben Goldschmied und Schmuckdesigner. In der Nähe von Klagenfurt geboren und aufgewachsen, zog es ihn nach dem Studium zunächst in die Schweiz, dann in die USA. In New York arbeitete er fünf Jahre lang in der Schmuckbranche und entdeckte dort, mit Mitte 20, für sich den Triathlon. Zurück in Österreich, betrieb er den Sport immer extremer, national auf oberstem Niveau. «Ich war Halb-Profi, leben vom Triathlon hätte ich nicht können», erklärt er. Ein Tumor im Fuß hat ihn zur Langdistanz gebracht: Nach OP und einem Jahr Pause waren Sprintstrecken zu belastend, auf den Ironman-Distanzen (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren plus Marathon-Lauf) wurde der Körper zwar dauerhafter, aber weniger aggressiv beansprucht.

Über den Sport hatte Hochegger auch seine künftigen Partner kennen gelernt, Stefan Petschnig und Helge Lorenz, mit denen er die Firma Triangel gründete und auszog, professionelle Triathlon-Wettbewerbe jenseits von Kona/ Hawaii aufzubauen. Zunächst allerdings blieben sie zu Hause am Wörthersee: 1998 fiel der erste Startschuss für die Ironman-Distanz in Klagenfurt. Aus den bescheidenen 124 Teilnehmern wurden schon im Folgejahr – erstmals unter dem Label Ironman – mehr als 800.

Mit der Erfahrung in der Heimat im Rücken, ging Hocheggers Blick gen Frankreich, und aus dem Hobby wurde sein Beruf – der Schmuck an den Nagel gehängt. All sein kreatives Potenzial steckte der Österreicher fortan in die Triathlon-Agentur der drei Freunde.

Nizza gilt nach Hawaii als zweitältester Austragungsort der Welt für Triathlon-Rennen, wie geschaffen also als Startort für einen prestigeträchtigen Ironman! Nach Jahren des zähen Verhandelns gelingt es den Triangel-Chefs, 2005 den ersten Wettbewerb über die Superdistanz an der Promenade des Anglais anzupfeifen.

Fast von alleine lief der parallele Aufbau eines Halb-Ironmans in Monaco: Der damalige Prinz Albert als absoluter Sportfan erleichterte Hochegger jegliche Bürokratie, und in Rekordzeit stand der erste Wettbewerb dort, ebenfalls 2005.

Seither lebt Georg Hochegger im Fürstentum. Auch wenn er bei Wettkämpfen nicht mehr selbst aktiv ist, kann man ihn heute immer mal bei spontanen Trainingseinheiten in Monaco und Umgebung erleben – oftmals mit dort lebenden Formel-1-Piloten wie Jenson Button oder Nico Rosberg, die ihre Fitness durch Triathlon gewinnen.

Der Unterschied zu damals: Heute ist Hochegger sein eigener Herr, hat sich vom Ironman-Konzept getrennt und organisiert stattdessen mit eigener Marke Tristar und neuem, kürzerem Format (111 km Gesamtlänge) Wettbewerbe in aller Welt – in Monaco, Cannes, aber auch in Spanien, Österreich oder Brasilien. Unter dem Dach seiner Firma StarEvents finden außerdem unter anderem Radrennen statt, vor allem in den USA. Auch der Umweltgedanke und Charity spielen immer mit, statt purer Performance.

Knapp 20 Angestellte in Büros in sieben Ländern haben mit Hochegger in diesem Jahr knapp 30 Events auf die Beine gestellt – mit jeweils bis zu 1000 Helfern beim Ereignis selbst.

Georg Hochegger sieht seine Aufgabe schon längst nicht mehr nur im reinen Organisieren von hochkarätigen Sport-Wettkämpfen: «Wir animieren Menschen von Jung bis Alt zum Sporttreiben. Vereine haben heute oft nicht mehr die finanziellen Mittel wie früher – an deren Stellen müssen nun also verstärkt Agenturen wie wir treten ...»

Er gibt zu, dass er stolz ist auf das, was er in den vergangenen 16 Triathlon-Jahren geschaffen hat. «Und wenn ich sehe, dass ein Event Anklang findet, dann weiß ich, das wir es richtig gemacht haben.»

Aila Stöckmann