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Erstmals liegt das Land mit den meisten Journalistenmorden in Westeuropa

Das hat es noch nicht gegeben: In der Halbjahresbilanz zu den Journalistenmorden weltweit stellt sich ein westeuropäisches Land als das tödlichste heraus – und zwar Frankreich. Alle Toten sind dort auf einen einzigen Anschlag zurückzuführen, aber das traurige Pariser Ereignis („Charlie Hebdo“) ist kein Einzelfall. Islamistische Angriffe und Drohungen gegen Journalisten gibt es in Frankreich und ganz Europa immer häufiger, auch wenn sie nicht immer tödlich enden.
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Der Islamismus sei derzeit die größte Gefahr für die Presse- und Meinungsfreiheit in Westeuropa und im Rest der Welt, bilanziert die Internationale Medienhilfe (IMH) mit Sitz in Berlin. Die Arbeitsgemeinschaft IMH unterstützt seit mehr als 20 Jahren insbesondere interkulturelle Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunkprogramme durch Beratung und Vernetzung.

Übersicht über Journalistenmorde weltweit im 1. Halbjahr 2015

Frankreich: 8
Süd-Sudan: 5
Jemen: 4
Irak: 3
Syrien: 3
Bangladesch: 2
Brasilien: 2
Mexiko: 2
Ukraine: 2
Demokratische Republik Kongo: 1
Guatemala: 1
Indien: 1
Kenia: 1
Kolumbien: 1
Somalia: 1
Türkei: 1
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Summe: 38

Die acht französischen Opfer kamen beim Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" am 7. Januar ums Leben. Im Süd-Sudan wurden ebenfalls alle fünf Journalisten gemeinsam bei einer Attacke am 25. Januar getötet.

In Frankreich ist nicht nur das Verhalten islamischer Extremisten problematisch, sondern weiterhin auch die Behandlung der dortigen Minderheitenmedien durch staatliche Stellen, wie die IMH berichtet. Nahezu alle europäischen Länder unterstützen Publikationen und Rundfunkprogramme für Minderheiten. Die Medien der Elsässer, Bretonen oder Korsen würden jedoch systematisch benachteiligt. Ihnen würden Fördergelder vorenthalten, die in anderen EU-Ländern üblich sind. Bis vor kurzem war es den mehr als einer Million deutschsprachigen Elsässern noch bei Strafe verboten, komplett muttersprachliche Zeitungen zu publizieren.

Frankreich erkenne offiziell nicht an, so die IMH, dass es in seinen Grenzen Minderheiten gebe. Deshalb habe die Pariser Zentralregierung auch bis heute nicht die Europäische Minderheitencharta sowie die Europäische Charta der Regionalsprachen ratifiziert. Die Situation der Elsässer sei damit beispielsweise erheblich schlechter als die von deutschsprachigen Minderheiten in Rumänien oder Ungarn.