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Kunst trifft Klientel

Auf Themenpfaden wandeln ist an der Côte d'Azur ein Leichtes: Route du Mimosa, Route des Vins de Provence, Route du Baroque Nisso-Ligure, Route des Jardins … Neu, zumindest im Hinterland von Nizza, ist eine Skulpturen-Straße.

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Naheliegend? Natürlich. Aber es brauchte Idee und Tatendrang eines deutsch-französischen Paares, um lokale zeitgenössische Künstler zusammenzubringen und Gäste gezielt auf ihre Spur zu schicken. Ein rundes Dutzend Skulpteure zwischen Vence und Le Bar-sur-Loup haben sich der Route des Sculptures angeschlossen. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist diesen Sommer im Garten von Irène und Peter Pöthigs traumhafter Bastide in Tourrettes-sur-Loup zu sehen.

Angefangen hat alles mit «The Walking Man», einer nicht zufällig an Giacometti erinnernden Bronzedarstellung eines schreitenden Mannes mit überlangen, dünnen Gliedmaßen, der Gäste im Vorgarten der Bastide empfängt. Um ganz genau zu sein, eigentlich schon mit der Hochzeit von Irène und Peter vor über 30 Jahren. Damals, noch in Berlin, hatten sie eine Skulptur geschenkt bekommen, und zeitgenössische Kunst hat das Paar nie wieder losgelassen.

Seit zweieinhalb Jahren betreiben die Pöthigs, die sich seit der gemeinsamen Schulzeit in der heutigen deutschen Hauptstadt kennen, in Tourrettes-sur-Loup ein schickes Maison d'hôtes. Vier geschmackvoll eingerichtete Gästezimmer vermieten sie rund ums Jahr an Besucher aus aller Welt. Damit haben sich der Ex-Unternehmer und die ehemalige Lehrerin zum Ende ihres Berufslebens einen Traum erfüllt. Einen spontanen Traum – denn die Idee, als professionelle Gastgeber im sonnigen Süden genüsslich dem Alter entgegenzuleben, entstand während eines Aufenthalts ihrerseits in einer zum Maison d'hôtes umfunktionierten alten Bastide ganz in der Nähe.

«Das wäre doch was!» dachten sie sich, zumal jene Bastide gerade zum Verkauf stand. Hundertprozentig entsprach das Gästehaus schließlich aber doch nicht ihren Vorstellungen – «zu dunkel vor allem», so Peter Pöthig. Und nachdem intensives Suchen nach dem perfekten Gemäuer nicht das gewünschte Resultat erbrachte, blieb nur eines: selber bauen.

Ein in traditioneller Bauweise einer ortstypischen Bastide nachempfundenes Anwesen sollte es werden, und das Ganze unbedingt in Tourrettes-sur-Loup. Denn in das zauberhafte mittelalterliche Adlernestdorf mit Blick über die Côte d'Azur, das auch im Winter nicht ausstirbt, hatten sie sich unwiderruflich verliebt.

Drei Jahre Bauzeit, dann der Umzug in das gigantische, lichtdurchflutete Traumhaus mit 360-Grad-Panoramablick über Meer und Berge. Und als i-Tüpfelchen erhielt das 7000-Quadratmeter-Grundstück mit weiten Rasenflächen und knorrigen Olivenbäumen eine fast lebensgroße Skulptur des «Walking Man».

Besagtes Kunstwerk mit deutlicher Ähnlichkeit zu den bekanntesten Stücken des eingangs erwähnten weltberühmten Schweizers hatte sich Giacometti-Fan Peter Pöthig gewünscht. In dem in Portugal lebenden Deutschen Walter Mürtz fand er einen Künstler, dem er die Ausführung seiner Wunsch-Skulptur zutraute.

Und so kam eines zum andern: Künstler Mürtz besuchte Pöthigs in der neuen Bastide, verguckte sich in die Location und schlug vor, einige seiner Werke als Dauerleihgabe im Garten zu platzieren. Schließlich garantiert ein Maison d'hôtes jede Menge Publikum. Die Hausherren waren begeistert – und nicht nur das: Sie sponnen die Idee weiter.

Wenn es an der Côte d'Azur eines gibt, dann Künstler. Das Licht, das Wetter, zahlungskräftige Gäste … davon träumt jeder Kreative. Sich aber im Reigen der Konkurrenz durchzusetzen, sich als Künstler einen Ruf zu erarbeiten, ist umso schwieriger, erklärt Peter Pöthig. Nicht jeder könne sich einen Galeristen leisten und nicht jeder habe das Glück, über ein Atelier in zentraler Lage zu verfügen.

So also entstand die Route des Sculptures. Irène und Peter Pöthig bieten in ihrer Bastide die ideale Kulisse für große und kleine, bronzene und knallbunte, klassische und extravagante Kunstwerke. Gäste und Besucher, die mehr sehen – oder kaufen – wollen, werden in die Ateliers der um die Ecke arbeitenden Künstler geschickt, auf die «Straße der Skulpturen».

«Wir haben alle Bildhauer der Umgebung abgeklappert und ihnen von unserer Idee erzählt», sagt Peter Pöthig. «Die meisten waren begeistert – über die Plattform, die wir ihnen und ihren Werken bieten, aber auch darüber, dass sie durch uns in Kontakt mit ihren Künstlerkollegen gekommen sind.»

In welche Richtung sich die Idee in Zukunft weiter entwickelt, weiß das deutsch-französische Paar noch nicht so genau. Nur, dass es im nächsten Sommer eine Fortsetzung der Route des Sculptures geben wird. Einstweilen genießen Irène und Peter die Begegnungen mit Gästen aus allen Ecken der Welt – «Menschen, die wir sonst nie treffen würden» – und erfreuen sich vorerst noch bis Ende September an den so unterschiedlichen Hinguckern in ihrem Garten. An den meisten zumindest – so viel geschmackliche Freiheit darf sein ...

Aila Stöckmann

Die Künstler der „Route des Sculptures“:
Paco Sagasta, George, Roger Drouin, Jean-Marc Poulin, Philippe und Anne Guilbaud, Philippe Roessler, Marc Massa, Myriam Palmi, Christine Maratray, David Logan und als Gast Walter Mürtz
Maison d'hôtes „Les 4 Eléments“in Tourrettes-sur-Loup, 765 Route de la Madeleine. Besuch nach Anmeldung unter Tel. +33 (0)6 72 31 59 51.
Naheliegend? Natürlich. Aber es brauchte Idee und Tatendrang eines deutsch-französischen Paares, um lokale zeitgenössische Künstler zusammenzubringen und Gäste gezielt auf ihre Spur zu schicken. Ein rundes Dutzend Skulpteure zwischen Vence und Le Bar-sur-Loup haben sich der Route des Sculptures angeschlossen. Eine Auswahl ihrer Arbeiten ist diesen Sommer im Garten von Irène und Peter Pöthigs traumhafter Bastide in Tourrettes-sur-Loup zu sehen.
Angefangen hat alles mit «The Walking Man», einer nicht zufällig an Giacometti erinnernden Bronzedarstellung eines schreitenden Mannes mit überlangen, dünnen Gliedmaßen, der Gäste im Vorgarten der Bastide empfängt. Um ganz genau zu sein, eigentlich schon mit der Hochzeit von Irène und Peter vor über 30 Jahren. Damals, noch in Berlin, hatten sie eine Skulptur geschenkt bekommen, und zeitgenössische Kunst hat das Paar nie wieder losgelassen.
Seit zweieinhalb Jahren betreiben die Pöthigs, die sich seit der gemeinsamen Schulzeit in der heutigen deutschen Hauptstadt kennen, in Tourrettes-sur-Loup ein schickes Maison d'hôtes. Vier geschmackvoll eingerichtete Gästezimmer vermieten sie rund ums Jahr an Besucher aus aller Welt. Damit haben sich der Ex-Unternehmer und die ehemalige Lehrerin zum Ende ihres Berufslebens einen Traum erfüllt. Einen spontanen Traum – denn die Idee, als professionelle Gastgeber im sonnigen Süden genüsslich dem Alter entgegenzuleben, entstand während eines Aufenthalts ihrerseits in einer zum Maison d'hôtes umfunktionierten alten Bastide ganz in der Nähe.
«Das wäre doch was!» dachten sie sich, zumal jene Bastide gerade zum Verkauf stand. Hundertprozentig entsprach das Gästehaus schließlich aber doch nicht ihren Vorstellungen – «zu dunkel vor allem», so Peter Pöthig. Und nachdem intensives Suchen nach dem perfekten Gemäuer nicht das gewünschte Resultat erbrachte, blieb nur eines: selber bauen.
Ein in traditioneller Bauweise einer ortstypischen Bastide nachempfundenes Anwesen sollte es werden, und das Ganze unbedingt in Tourrettes-sur-Loup. Denn in das zauberhafte mittelalterliche Adlernestdorf mit Blick über die Côte d'Azur, das auch im Winter nicht ausstirbt, hatten sie sich unwiderruflich verliebt.
Drei Jahre Bauzeit, dann der Umzug in das gigantische, lichtdurchflutete Traumhaus mit 360-Grad-Panoramablick über Meer und Berge. Und als i-Tüpfelchen erhielt das 7000-Quadratmeter-Grundstück mit weiten Rasenflächen und knorrigen Olivenbäumen eine fast lebensgroße Skulptur des «Walking Man».
Besagtes Kunstwerk mit deutlicher Ähnlichkeit zu den bekanntesten Stücken des eingangs erwähnten weltberühmten Schweizers hatte sich Giacometti-Fan Peter Pöthig gewünscht. In dem in Portugal lebenden Deutschen Walter Mürtz fand er einen Künstler, dem er die Ausführung seiner Wunsch-Skulptur zutraute.
Und so kam eines zum andern: Künstler Mürtz besuchte Pöthigs in der neuen Bastide, verguckte sich in die Location und schlug vor, einige seiner Werke als Dauerleihgabe im Garten zu platzieren. Schließlich garantiert ein Maison d'hôtes jede Menge Publikum. Die Hausherren waren begeistert – und nicht nur das: Sie sponnen die Idee weiter.
Wenn es an der Côte d'Azur eines gibt, dann Künstler. Das Licht, das Wetter, zahlungskräftige Gäste … davon träumt jeder Kreative. Sich aber im Reigen der Konkurrenz durchzusetzen, sich als Künstler einen Ruf zu erarbeiten, ist umso schwieriger, erklärt Peter Pöthig. Nicht jeder könne sich einen Galeristen leisten und nicht jeder habe das Glück, über ein Atelier in zentraler Lage zu verfügen.
So also entstand die Route des Sculptures. Irène und Peter Pöthig bieten in ihrer Bastide die ideale Kulisse für große und kleine, bronzene und knallbunte, klassische und extravagante Kunstwerke. Gäste und Besucher, die mehr sehen – oder kaufen – wollen, werden in die Ateliers der um die Ecke arbeitenden Künstler geschickt, auf die «Straße der Skulpturen».
«Wir haben alle Bildhauer der Umgebung abgeklappert und ihnen von unserer Idee erzählt», sagt Peter Pöthig. «Die meisten waren begeistert – über die Plattform, die wir ihnen und ihren Werken bieten, aber auch darüber, dass sie durch uns in Kontakt mit ihren Künstlerkollegen gekommen sind.»
In welche Richtung sich die Idee in Zukunft weiter entwickelt, weiß das deutsch-französische Paar noch nicht so genau. Nur, dass es im nächsten Sommer eine Fortsetzung der Route des Sculptures geben wird. Einstweilen genießen Irène und Peter die Begegnungen mit Gästen aus allen Ecken der Welt – «Menschen, die wir sonst nie treffen würden» – und erfreuen sich vorerst noch bis Ende September an den so unterschiedlichen Hinguckern in ihrem Garten. An den meisten zumindest – so viel geschmackliche Freiheit darf sein ...
Aila Stöckmann