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«Fête du citron»: Besuch eines Zitronenhains von Menton

CÔTE D‘AZUR

Der wahre Schatz des Grenzstädtchens Menton sind neben seiner paradiesischen Lage und seines beneidenswerten Klimas die Zitronen. Nicht ohne Grund wird vom 16. Februar bis zum 3. März in diesem Jahr die 86. «Fête du citron» unter dem Motto «Des Mondes Fantastiques» gefeiert. Mit Saurem – und natürlich auch Blumenumzügen und fantasievollen Kreationen aus Zitrusfrüchten – alljährlich etwa 160.000 Besucher anzuziehen: Das ist schon eine starke Leistung.

Jean-Claude Guibal, seit fast 30 Jahren Mentons Bürgermeister, ist sich denn auch dieses Reichtums durchaus bewusst: «Im 19. Jahrhundert waren unsere Zitronen eine ganz besondere Kostbarkeit, und das soll auch weiterhin so sein. Wir müssen sie schützen», erklärt er uns bei einem Besuch des traumhaft gelegenen Zitronenhains «La Casetta» oberhalb der Stadt. Von der Gemeinde finanziert, hat diese Zitrus-Plantage ebenso wie die des «Palais de Carnolès» die Bestimmung, die typische Zitrone von Menton zu promoten – ohne kommerzielle Absicht.

Seit 2016 kann sich die Frucht des Qualitätslabels IGP, Indication géographique protégée, rühmen, die hier an etwa 100 Zitronenbäumen wächst. Bäume, die von zwei Gärtnern das ganze Jahr über gehegt und gepflegt werden. Wegen einer starken Zurückschneidung der Äste und Zweige wurde in den letzten drei Jahren nur je eine Tonne Zitronen geerntet, die zum Teil an Chefköche und Spezialitätengeschäfte verteilt werden, aber auch an Besucher (Anmeldung für eine Führung: im Rathaus).

Nach der grundlegenden Sanierung der Bäume erhofft man sich nun eine Steigerung der Ernte auf fünf oder sechs Tonnen. Ob die Früchte alle erforderlichen Charakteristiken erfüllen, prüfen die 127 Mitarbeiter des Unternehmens «Esatitude Léo Mazon». Da wird gemessen und gewogen, gerochen und befühlt. Rund zehn Prozent der Ware entspricht der Kategorie «Extra Citron de Menton», 50 bis 60 Prozent darf sich noch «Citron de Menton» nennen, und der Rest wird als «einfache Zitrone» eingestuft.

Die Zitrusbäume der Plantagen «La Casetta» und «Palais de Carnolès» sind gänzlich unbehandelt, nur natürliche Methoden werden angewendet.

Typisch für Zitronen aus Menton sind ihre dicke Schale, ihr weißes Mark, ihr mildes Aroma und ihr relativ hohes Gewicht von 120 Gramm. Kenner verzehren sie wie einen Apfel. In der Gastronomie werden sie zur Herstellung von Getränken wie Zitronenwein ebenso verarbeitet wie bei traditionellen Gaumenfreuden wie der «tarte au citron». Auch in anderen Branchen wie der Parfumproduktion werden Zitronen aus Menton eingesetzt.

Neben den beiden Vorzeigegärten besitzen 25 Zitronenbauern der Gegend das IPG-Label. Auf zurzeit 30 Hektar Boden mit einem Potenzial von 60 bis 80 Hektar wachsen heute etwa 2500 Bäume, die 2018 zirka 40 Tonnen IPG-Früchte einbrachten.

Der Preis für ein Kilo «Extra Citron de Menton» liegt zwischen 4 und 6 Euro, für einfache, oft auch aus Italien und Spanien importierte Zitronen um 2 Euro.

PH